Warum nicht gefühlte Gefühle Kilos verursachen und wie du in 3 Schritten gegensteuerst.

Hast du dich auch schon oft gefragt, warum alle Diäten und Ernährungsumstellungen bei dir und offensichtlich auch vielen anderen nicht dauerhaft funktionieren?

Auf der einen Seite gibt es natürlich die Menschen, die damit überhaupt kein Problem haben. Bei denen sind Kalorien so etwas wie durchlaufende Posten. Die essen einfach und machen sich keine Gedanken über die Konsequenzen. Müssen sie auch nicht, denn es gibt keine.

Wenn die Kalorien bei dir aber sehr anhänglich sind und sich dein Essverhalten unter Stress auch noch in Richtung größerer Futtermenge verändert, bist du in guter Gesellschaft - unterdrückte, nicht ausgelebte oder nicht gefühlte Gefühle wirken sich negativ auf dein Essverhalten aus. Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass nur 20 % der Menschen unter Stress ihr Essverhalten nicht verändern. Das heißt, der mit 80 % größte Teil reagiert auf Stress mit sogenannten Essmustern. Dabei reagiert die eine Hälfte mit reduziertem Appetit und die anderen 40 % entwickeln ein stärkeres Verlangen nach meist kalorienhaltigen Produkten.

Die Gründe dafür können sehr unterschiedlich sein.

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Evolutionsprogramme - beste Überlebenschancen

Zum einen sind wir unbewusst so programmiert, dass je mehr Energie wir aufnehmen, desto höher ist unsere Überlebenschance wenn es eng wird. Das ist eine direkte Verbindung, die uns im Laufe der Evolution sehr nützlich war. Im Alltag und ohne konkrete Lebensbedrohung ist es allerdings ein Mechanismus, der kontraproduktiv ist und gegen den wir oft mit großem Kraftaufwand ankämpfen.

Positiv verstärkt wird dieser Zusammenhang noch dadurch, dass der volle Magen uns eine Betäubung verschafft, die unsere Stressreaktion tatsächlich zunächst dämpft und beruhigend wirkt. Je öfter wir diesen Ablauf durchlaufen, desto schneller startet unser Unterbewusstsein das dazugehörige Programm. Dann wird die Zündschnur vom Auslöser bis zur Reaktion im Laufe der Zeit immer kürzer.

Warum es gefühlten Gefühlen Kilos werden Pinterest
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Prägungen

In der frühen Kindheit werden wir sehr stark in unseren Verhaltensmustern geprägt. Die Rolle des Essens in unserem Leben und die Angewohnheit unangenehme Gefühle mit Essen runterzuschlucken oder zu verdrängen haben wir in der Regel in dieser Zeit übernommen. Vielleicht hast du dazu auch noch typische Sätze der Oma im Ohr wie „Iss was, damit du groß und stark wirst.“ oder „Jetzt reg dich nicht auf, iss erst mal was.“ In der Generation unserer Eltern und Großeltern, wo man wenig über Gefühle gesprochen hat, wurde noch oft statt Zuwendung, Aufmerksamkeit und Trost etwas zu Essen verteilt. In dem Fall hast du wahrscheinlich heute mit Essmustern, wie Stress- oder Frustessen zu kämpfen.

Nicht gefühlte Gefühle sind wohl eine der häufigsten Gründe warum wir am Ende mit unserer Ernährungsumstellung scheitern und irgendwann von den zusätzlichen Kilos nicht mehr wegkommen.

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Verknüpfungen

Verknüpfungen entstehen, wenn man ein ganz bestimmtes Produkt 1 : 1 an eine Situation oder ein Gefühl gekoppelt hat. Meine Oma brachte mir früher jedes Mal, wenn sie zu Besuch kam diese Karamellbonbons mit der Kuh drauf mit. Wenn du weißt welche ich meine ;-). Einmal habe ich geschlafen, als sie kam und als ich wach wurde sah ich als Erstes die Tüte mit den Bonbons neben meinem Kopfkissen. Da wusste ich sofort, dass sie da war. Die Tatsache dass die Liebe zwischen Großeltern und Enkeln in der Regel bedingungslos ist, hat sich schon die Werbung zunutze gemacht.

Das genau ist auch der Grund warum man bei Werther’s Echte jahrelang den Opa mit dem Enkel gesehen hat. Selbst bei Großeltern, die ihre eigenen Kinder doch eher streng erzogen haben, ist der Umgang mit den Enkeln meist deutlich nachsichtiger und geduldiger. Im Supermarkt bleibt mein Blick immer noch mal an der Tüte mit den Karamellbonbons hängen. Mittlerweile grüße ich dann in Gedanken meine Oma und gehe weiter. Ehrlicherweise sind die Bonbons nach meinem heutigen Geschmack doch sehr süß.

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Gewohnheiten

Gewohnheiten können sowohl schon aus dem Elternhaus mitgegeben worden, als auch später durch unsere eigenen Wiederholungen entstanden sein. Dazu gehört so etwas wie „nach dem Essen brauche ich immer etwas Süßes“ oder „zum Fernsehen gehört auf jeden Fall etwas zu Knabbern dazu“. Im Laufe der Zeit führt das dazu, dass unser Unterbewusstsein sofort den Impuls sendet, sobald wir mit dem Ritual begonnen haben.

All diese emotional verankerten Programme, Prägungen und Verknüpfungen machen es uns so schwer unser Verhalten dauerhaft zu ändern. Sie sind auch der Grund dafür, dass wir in für uns schwierigen Phasen schnell mal die „Gesünder essen“-Kehrtwende machen und wieder im alten Essverhalten landen.


Was kannst du selber ab sofort tun?


1. Mach dir deine Gefühle bewusst.

Welche Gefühle beeinflussen dein Essverhalten? Gibt es nicht gefühlte Gefühle, die sich auf dein Essverhalten auswirken?

Nimm sie wahr. Nimm dir Zeit dafür und schreibe am besten auf was dich bewegt und wie genau sich das für dich anfühlt. Das ist der wichtigste Schritt.

Wenn dich eine akute Snack-Attacke überfällt, frage dich welches Gefühl dich gerade dazu bewegt etwas zu essen. Was ist zuvor passiert? Wenn du nicht dahinter kommst, überlege ob es etwas gibt wovon du gerade in diesem Moment gerne befreit wärst. Für was könntest du das Essen stehen lassen?

Dein Heisshunger-Selbsttest


2. Lass nicht gefühlte Gefühle da sein.

Sie sind sowieso schon da, es macht keinen Sinn sie zu leugnen oder möglichst schnell abhaken zu wollen. Versuche zu spüren an welcher Stelle in deinem Körper du dieses Gefühl wahrnimmst. Spürst du einen Druck, eine Schwere oder ein Gefühl der Taubheit?


3. Kümmere dich um deine Gefühle und damit um dich selber.

Wenn du dich deinen Gefühlen zuwendest, werden sie weniger bedrohlich und ebben schneller ab. Je größer der Stellenwert ist, den du deinen Gefühlen in deinem Leben einräumst, desto seltener erreichst du einen Punkt an dem der Pegel soweit angestiegen ist, dass der emotionale Hunger dir keine andere Wahl mehr lässt.


Gefühle sind wie Wellen.
Du kannst sie nicht aufhalten aber du kannst
lernen auf ihnen zu surfen.


Je mehr du dir nicht gefühlte Gefühle bewusst machst, ihnen mit Achtsamkeit begegnest und deine Aufmerksamkeit schenkst, desto länger wird mit der Zeit die Zündschnur zwischen Auslöser und deiner Reaktion. Dein unbedingtes Verlangen nach Essen lässt nach. Sei nachsichtig mit dir selber. Gib der Selbstfürsorge einen großen Raum in deinem Leben. Achte auf deine Ressourcen und lade deinen eigenen Akku genauso auf wie den deines Smartphones und zwar bevor du jeweils in den roten Bereich kommst.

Lass nicht zu, dass das schlechte Gewissen und Schuldgefühle es dir noch schwerer machen intuitiv und bewusst zu essen.

Mache dir eine Liste mit Aktivitäten, die gute Gefühle in dir erzeugen und die nichts mit Essen zu tun haben. Hänge die Liste an den Kühlschrank. Wähle im Notfall aus der Liste das aus, wonach dir am meisten ist. Und setze das sofort um.

Brauchst du Unterstützung? Willst du deine Essmuster dauerhaft lösen, weißt aber nicht wie du es angehen sollst? Schreib mir​, dann schauen wir gemeinsam was für dich die richtige Vorgehensweise ist.
Welches ist deine Verknüpfung oder Gewohnheit, die bei dir das gesunde Essen boykottiert? Hast du nicht gefühlte Gefühle in dir, die sich merklich auf dein Essverhalten auswirken? Ich freue mich über deinen Kommentar.

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4 Antworten

  1. Unser Archiv im Kopf funktioniert immer sehr gut und meist unbewusst. Dem Thema Essen und Emotionen sollte ich mich mal widmen, verfolgt mich seit einger Zeit. Danke für den Denkanstoss.Viele Grüße Heike
    • Martina Aust
      Liebe Heike, schön, dass ich Dir einen Impuls geben konnte :-).
  2. Name
    Eigentlich bin ich mir dieser Muster schon bewusst. Aber sie abzulegen kommt mir beinahe unmöglich vor. Manche Gewohnheiten sind so lieb gewonnen und geben so viel Trost, ich muss zugeben, ich schaffe das gar nicht ohne... Deswegen werde ich wohl immer etwas dicker bleiben. :/
    • Martina Aust
      Lieben Dank für Deinen Kommentar. Es ist nicht unmöglich die alten Muster abzulegen. Du kannst Dir zum einen bewusst alternative Wege suchen, wie Du Dir selber Trost spenden kannst. Und Du kannst herausfinden, warum Du Essen mit Trost gleichsetzt. Wann und wo hast Du das gelernt? Wenn Du da hinter kommst, ist das der erste Schritt zur Lösung Deines alten Musters :-)

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