Bewusst leben – bewusst essen. 5 Strategien, um deine Gewohnheiten zu ändern.

Selleriesaft ändert dein Essverhalten nicht. Er ist wahnsinnig gesund, kann so einiges bewirken, es werden ganze Bücher über ihn geschrieben und er ist vor allem total angesagt. Aber er ändert nicht die Art wie du fühlst. Und damit auch nicht die Art wie du isst, wenn du dich nicht kontrollierst.

Er wirkt, solange du ihn trinkst, danach ist allerdings alles wieder wie vorher.

Solange du weiterhin durch dein Leben hetzt, Multitasking und Autopilot deine besten Freunde sind, du deine inneren Bedürfnisse und Gefühle ignorierst, bleibt alles beim Alten.

Vielleicht nicht unbedingt nach aussen aber innen ganz sicher.

​Dich selbst und deine Bedürfnisse spüren, deine Körpersignale wahrnehmen und wirklich wissen, wie es dir geht, kannst du nur, wenn du bewusst durchs Leben gehst.

Bewusst und achtsam zu essen, wenn du vor deinen Gefühlen auf der Flucht und in deinem eigenen Körper nicht zuhause bist, ist allerdings unmöglich. Es ist wie auf einer Vibrationsplatte zu stehen und einen Faden durch ein Nadelöhr ziehen zu wollen.

Man kann es versuchen, man kann es aber auch gleich lassen.

​​Eine einzige Gewohnheit zu ändern, die nur ein Symbol für einen ganzen Lebensstil ist, ist nichts weiter als Kampf. Und dann noch beim Essen anzufangen, ist das allerkleinste Nadelöhr, dass du dir nur suchen kannst. Vor allem dann, wenn Essen dir normalerweise hilft, dich zu beruhigen und deine inneren Aufstände niederzuschlagen  

Eine bessere Strategie ist breitflächiger anzusetzen. Insgesamt erst mal auf die Bremse zu treten, einen Gang runterzuschalten und statt Autopiloteinstellung hin und wieder das Steuer in die Hand zu nehmen. Denn das ist die Voraussetzung, um deine Essmuster überhaupt wahrnehmen und ihre Ursachen erkennen zu können.  

Bewusst leben - bewusst essen. 5 Strategien, um deine Gewohnheiten zu ändern.

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​Bewusst leben schafft die Voraussetzung für bewusstes Essen

1 | Fang an dich selbst zu fühlen.

Nee, stimmt eigentlich nicht. Es fängt nicht beim Mitgefühl an.

Es fängt da an, wo du dich selbst überhaupt wichtig nimmst oder sagen wir besser: wahrnimmst. Nicht nachdem du eine gute Mutter, Partnerin, Mitarbeiterin, Tochter und Freundin bist, sondern davor.

Denn wenn du am Ende der Aufzählung erst kommst - du ahnst es vielleicht - ist der Tag längst vorbei, bevor du an der Reihe warst.

​Essmuster können einen irre machen. Das ist so. Sie sind oft schon lange Jahre aktiv, ordentlich ins Unterbewusstsein eingeprägt und kein Kraut scheint dagegen gewachsen zu sein. Auch Sellerie ist da übrigens machtlos.
 
Hör auf dich selbst fertig zu machen, zu beschimpfen, dich schuldig zu fühlen und damit noch mehr Frust zu erzeugen.

Wütend auf dich selbst zu werden, verbessert die Situation nicht.

Sei ehrlich: Du hast es schon versucht und es hat nicht funktioniert. Hör auf damit, dann nimmst du dir schon mal einen großen Teil des Drucks. Denn unter diesem Druck kannst du nicht bewusst leben und bekommst erst recht nicht mit, was eigentlich los ist und um was es dir beim Essen überhaupt geht.

Atme lieber tief durch, beruhige dich und bringe dich damit in Richtung einer größeren Bewusstheit für das, was in dir passiert. Jedes Mal, wenn du so achtsam reagierst, anstatt dir selbst noch mehr Druck zu machen, wird deine Bewusstheit größer.  

​Das ist kein Luxus oder etwas, was man mal machen kann, wenn man sonst nicht zu tun hat. Oder wenn man alle anderen glücklich gemacht hat. Und wenn du jetzt denkst, dass für so eine Gefühlsduselei in deinem Alltag kein Platz ist, dann ist auch kein Platz für deine eigentlichen Bedürfnisse.

Dann entscheidest du dich das Steuer loszulassen.

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2 | ​Finde den Ausschalter für den Autopiloten.

Multitasking ist kein Zeichen dafür, dass du besonders engagiert und leistungsfähig bist. Es hilft dir auch nicht mehr zu schaffen.

Im Gegenteil es macht dich uneffektiv, langsam und fahrig. Es frisst deine Energie, zehrt dich aus und macht dich müde.

Je intensiver du dieses Verhalten praktizierst, desto unbewusster werden deine Reaktionen. Ganz weit weg von bewusst leben.

Du fühlst dich gestresster, bist schneller überfordert, reagierst wie in Trance und deine Essmuster haben leichtes Spiel.

​Dadurch isst du in Summe mehr und das Essen befriedigt dich gleichzeitig weniger, was zu noch mehr Essen führt.

Das ist die eigentliche Sucht.

It’s not about the food.

Es ist die Sucht, vor dir selbst und deinen Gefühlen davonzurennen.

Die gute Nachricht ist: Du musst nicht auf kalten Entzug gehen. Fang an, dir Zeiträume zu schaffen, in denen du dieses Verhalten bewusst pausieren lässt.  

Wenn du ein passionierter Autopilot-Flieger bist, fang damit an, zumindest eine Sache am Tag mit deiner vollen Aufmerksamkeit zu machen. Das kann das Zähneputzen sein oder deine Fahrt von der Arbeit nach Hause.

​Man kann auch mit voller Aufmerksamkeit spülen oder staubsaugen. Alles für den Anfang einfacher als Essen.

Wenn es dir gelingt den Autopiloten bei mindestens einer Tätigkeit abzuschalten, nimm eine weitere hinzu. Du wirst merken, dass du dich weniger gestresst fühlst und dein Gedanken- und Gefühlskarussell leichter zum Stillstand bringen kannst.

Am besten ist es, wenn du schon bevor du etwas isst, diesen Zustand erreicht hast. Dann fällt es dir leichter auch beim Essen achtsam und bewusst zu bleiben und den Finger vom Autopiloten zu lassen.


​3 | Pflege intensivere Gewohnheiten

Tweets, Snacks, WhatsApp, GIFs, Feeds

Snack Content liegt im Trend. Einer Untersuchung von Microsoft zufolge ist unsere durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne inzwischen unter die eines Goldfischs gesunken. Glückwunsch, Goldfisch!

Alles muss schnell verschlungen und leicht bekömmlich sein.

​In der Kürze liegt aber oft nicht die Würze, sondern die Zerstreuung und die Oberflächlichkeit der Inhalte. Sie pushen dich kurz auf, sind aber nicht nachhaltig und verändern nichts. Außer deiner Aufmerksamkeitsspanne.

Dieser Entwicklung bist du aber nicht hilflos ausgeliefert. Du kannst sie wieder umkehren. Suche dir Gewohnheiten, die eine tiefergehende Beschäftigung fordern.

  • ​Lies ein Buch, anstatt in einem Katalog zu blättern oder durch Social Media zu scrollen.
  • ​Male ein Bild, anstatt Bilder auf Instagram zu konsumieren.
  • ​Meditiere selbst, anstatt Sprüche über Selbstliebe zu posten.
  • Schreibe Tagebuch, anstatt einen Facebook Post zu teilen.
  • Geh im Sonnenuntergang spazieren, anstatt ein Foto davon zu machen.
  • Rufe deine Freundin an, anstatt eine Textnachricht zu schicken.

Suche dir Gewohnheiten, die dich länger beschäftigen und mehr Hingabe von dir verlangen.

Je länger eine Aktivität dauert, je länger ein Text ist, den du liest, desto mehr Konzentration brauchst du, um alles zu erfassen und zu verarbeiten. Desto tiefer kann dich etwas berühren und desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass du etwas davon mitnimmst und eine positive Veränderung bei dir eintritt.

Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ein längerer Text besser recherchiert und mit mehr Verantwortungsbewusstsein geschrieben wurde als eine plakative Kurzmitteilung.

Je mehr Tiefgang das hat, was du täglich tust, desto intensiver fühlst du und desto besser bist du mit dir verbunden.

​Hier ist nicht die Rede von täglich, jeden Morgen vor dem Aufstehen oder mindestens 30 Minuten. Es geht auch nicht darum, es perfekt zu machen. Es geht darum, es überhaupt zu machen.

Anzufangen. Intensiver zu leben. Die Grundlage für eine Veränderung zu schaffen. Denn nur wenn du den Effekt, den es auf dein Leben hat, wirklich wahrnimmst, findest du auch die Motivation weiterzumachen und es zu einer Gewohnheit zu werden zu lassen.


4 | Unterbrich unbewusstes Verhalten selbst.

​​Entscheide dich ganz klar dafür, eine neues Verhalten zu erlernen. Das ist wie eine neue Sprache zu lernen. Es nützt nichts, wenn du zwei Tage überengagiert bist und danach nichts mehr tust.

Besser du lernst nur 10 Vokabeln und gebrauchst sie ständig. Das ist zumindest ein Anfang.

Wenn du also bemerkst, dass du mit der Aufmerksamkeit nicht bei dir und auch nicht bei der Sache bist, halte inne und sage dir innerlich "Stop".

Verbinde dich dann wieder bewusst mit dir selbst und sei wirklich bei dem, was du tust.

Welche unbewussten Gewohnheiten du so unterbrechen kannst:

  • ​negative Gedanken (Sorgen, Zweifel, Ängste)
  • ​Monologe deines inneren Kritikers
  • ​negative Bewertungen der Situation und anderer Menschen

​Wende deine Aufmerksamkeit immer wieder von Gedanken über die Zukunft, die Vergangenheit und anderen Menschen und Dingen, die du ohnehin nicht beeinflussen kannst, ab und dir selbst zu.

Überprüfe dabei, wie es dir geht und wie du dich fühlst. Du kannst du dir Fragen stellen wie:

  • ​Wie geht es mir gerade?
  • ​Bin ich ruhig und entspannt oder eher verspannt?
  • ​Wie fühlen sich meine Schultern und mein Nacken an?
  • Was brauche ich gerade?

​​Und dann versuche dein vorrangiges Bedürfnis zu erfüllen. Lege dich für 5 Minuten hin. Laufe etwas auf und ab und bewege deinen Körper, damit die Anspannung sich lösen kann.

Oder schreibe das, was du im Kopf nicht gelöst bekommst auf. Bitte dein Unterbewusstsein um Mithilfe bei der Lösung und lasse dann los und warte ab.

Mach eine Pause.


5 | Gönne dir Pausen - jeden Tag.

Wenn du den ganzen Tag sehr busy bist, viel um die Ohren hast und viel Verantwortung übernimmst, bist du wahrscheinlich sehr darauf konzentriert, möglichst viel zu schaffen und Dinge abhaken zu können.

Die beste Voraussetzung für einen Tagesablauf ist, indem du abgeschnitten von deinen eigenen Gefühlen und Bedürfnissen bist. Dieses unbewusste Leben führt dann häufig auch zu unbewusstem und übermäßigen Essen am Abend.

Das impulsive Essen ist ein Signal dafür, dass du in einer Art Überlebensmodus dem ersten Instinkt folgst, um deine Situation zu verbessern.​

​Und das passiert schneller als du "bewusst essen" sagen kannst, deshalb ist es in dem Moment in der Regel auch schon zu spät, um noch etwas zu verändern.

Bewusstheit kann nur entstehen, wenn du eine Pause machst und etwas Abstand zu deiner aktuellen Situation gewinnst. Checkst, was gerade los ist.

​Am hilfreichsten ist es, wenn du das nicht nur unmittelbar bevor du etwas isst, sondern über den Tag verteilt in regelmäßigen Abständen immer wieder machst.

Versuche dann deine Lage von aussen zu betrachten und dich zu fragen, ob das, was du da tust, unbedingt in dem Moment erledigt werden muß.

Oder kannst du dich mal kurz hinsetzen und runterkommen? Überprüfe wie es dir geht, was du wirklich brauchst und plane dann erst deine nächsten Schritte.

Eine Pause zu machen ist nicht faul oder nachlässig, sondern hin und wieder absolut notwendig, um sich zu sammeln und wieder etwas Ruhe reinzubringen. Es hilft dir handlungsfähig zu werden, eine bewusste Entscheidung zu treffen und nicht dem erstbesten Impuls zu folgen.


Bewusst leben und achtsamer zu werden ist ein Prozess. Es ist nichts, was man einmal entscheidet und dann abhaken kann. Es wird Phasen geben, in denen es dir besser gelingt und welche, in denen das Leben dich so durchschüttelt, das du von der Vibrationsplatte fliegst.

Das passiert, heißt aber nicht, das alles vergeblich war. Du kannst jederzeit wieder an der Stelle weitermachen, wo du unterbrochen wurdest.

​Fange mit einem kleinen Schritt an, der dir leicht fällt. Mache diesen Punkt zu einer neuen Gewohnheit und nimm dann mehr und mehr Teile deines Lebens dazu. Trainiere deinen Bewusstheitsmuskel langsam.

Vielleicht gelingt es dir beim Essen noch gar nicht, du findest aber, dass regelmäßige Pausen und der Check deiner Bedürfnisse einen großen Nutzen für dich haben. Dann mach an der Stelle weiter. Sei stolz auf deinen Erfolg und baue ihn von da weiter aus.

Je bewusster dein Leben insgesamt wird, desto deutlicher werden dir deine eigentlichen Bedürfnisse und damit auch die Gründe, warum du in bestimmten Situationen essen musst, wenn du diese nicht befriedigen kannst.  

Bewusst essen und bewusst leben gehören untrennbar zusammen. Wechsel von unbewusst zu bewusst. Von schlafend zu wach. Vom Opfer der Umstände zu bewusstem Gestalten deines Lebens. Solange zu in Trance lebst, kannst du nichts verändern.

​Und übrigens: Mein Verhältnis zu Sellerie ist seit meiner Kindheit gespalten. Wenn du aber auf Selleriesaft dein Leben lang gewartet hast und du jetzt keinen Tag mehr ohne ihn sein möchtest, dann genieße ihn in vollen Zügen. Prost! 🙂


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