Dein innerer Kritiker: Fieser Tyrann oder Wegweiser?

Dein innerer Kritiker ist der Teil deiner Persönlichkeit, der dich beurteilt, deine Fehler sucht und mit dem Finger auf deine Schwächen zeigt. Nie geht ihm das Salz aus, dass er in deine Wunden streut.

Negative Glaubenssätze sind seine besten Freunde und genau wie sie, hindert dein innerer Kritiker dich daran, den Mut zu fassen, dich zu verändern.

Denn üblicherweise hat er immer dann etwas an dir auszusetzen, wenn du dich aus deiner gewohnten Umgebung; deiner Komfortzone, heraus bewegen willst. Bei einem wichtigen Termin oder einem schwierigen Gespräch.

Hast du ein paar Pfund zugenommen und würdest dein Essverhalten gerne wieder ändern, wird er das sicherlich abfällig kommentieren. Das schwächt dein Selbstwertgefühl, weil er dir aufzeigt, was du alles nicht kannst und wo du schlechter dastehst als andere.

Positive Gefühle oder gar Eigenlob kennt er nicht – und lässt es dich sofort wissen, wenn du einen „Höhenflug“ bekommst. Sich selbst für gut befinden, so wie man ist? Nicht mit dem inneren Kritiker.

Kleine Fehler bauscht er auf und macht aus Mücken keine Elefanten, sondern Dinosaurier.


Glaub nicht alles, was du denkst.


Vielleicht hast du hin und wieder das Gefühl gehabt, dass es nützlich ist, wenn du dich selber auf deine Schwächen aufmerksam machst. Aber harsche Kritik schützt dich weder vor einer Katastrophe, noch spornt sie dich dazu an besser zu werden.

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Woher dein innerer Kritiker kommt und warum du ihn nicht so einfach loswirst

​Dieser notorische Nörgler mag ein unsympathisches, nerviges Kerlchen sein. Doch wie genau ist er eigentlich in deinen Kopf gekommen?

Er ist das Sprachrohr aller Stimmen, die dich seit deiner Kindheit negativ beurteilt haben. Dazu gehören Eltern, Großeltern, Lehrer, Freunde und alle deren Urteil dir damals wichtig erschien.

Die Motivation dieser Menschen kann ganz unterschiedlich gewesen sein, von Sorge oder Angst um dich, über Ausrutscher im Erziehungsstil bis hin zu Boshaftigkeiten, z. B. von Mitschülern.

Mittlerweile hat sich so ziemlich alles geändert und du bist längst nicht mehr abhängig von deren Bewertung. Das versteht dein innerer Kritiker jedoch nicht und meckert weiter.

Paradoxerweise fühlt es sich oft so an, als ob er dich vor Kritik und peinlichen Situationen schützen würde, nur leider ist seine Strategie dafür nicht die beste. Er bekämpft Feuer mit Feuer; Kritik mit noch mehr Kritik.

Da du ihn fest in dir verankert hast, wirst du ihn nicht so leicht wieder los. Aber es gibt Möglichkeiten, ihn zu entlarven und darüber deutlich einzudämmen.


1. Entlarve deinen inneren Kritiker und seine Motive

Vielleicht denkst du, dass die Selbstzweifel, die du hörst, deine eigenen sind. Das liegt daran, dass sie schon so lange bei dir sind und du wahrscheinlich in Gedanken mit deinem Zensor „sprichst“.

Von diesem Bild musst du dich als Erstes lösen. Dieser aufgeblasene Besserwisser bist nicht du, sondern ein Urteil über dich, dass du hinterfragen darfst und solltest.

Wo kann diese Bewertung herkommen? Wer hat so mit dir gesprochen oder über dich gedacht?

Sehr oft ist es die Stimme unserer Eltern, die uns antreiben wollten, damit wir es später mal besser oder leichter haben in unserem Leben als sie es selber hatten.

Später ist aber jetzt und jetzt entscheidest du, wie gut oder leicht du es dir machst. Und der Teil deiner inneren Stimme, der dir einflüstert, du seist noch nicht gut genug, macht es dir nicht leichter, sondern schwerer.

Stell dir dich selbst als 5-jähriges Kind vor: Würdest du es ermutigen oder herunterputzen, damit es sich traut, seinen Weg zu gehen und zu wachsen?



Die Art wie wir mit unseren Kindern sprechen, wird zu ihrer inneren Stimme.

Peggy O'Mara


Vielleicht hört sich dein innerer Nörgler oft wie ein fieser Tyrann an, der alles anzweifelt was du machst, dich ausbremst und blockiert.

Mache dir bewusst, was ursprünglich die Motive hinter dieser Stimme waren. Du wurdest kritisiert und kleingemacht, weil die Person selber überfordert, ängstlich, ohnmächtig oder hilflos war. Es hat dich verletzt, gar keine Frage. Wenn du es aber schaffst, eine Ebene hinter das Gesagte zu sehen, kannst du es als unwahr entlarven. Es hatte und hat überhaupt nichts mit dir zu tun.


2. Achte darauf, wann und was dein innerer Kritiker meckert

Das widerspricht zunächst unserem ersten Impuls, denn wir wollen ja raus aus der unangenehmen Situation. Aber das Paradoxe ist ja: Was du verdrängst, gewinnt an Macht über dich.

Also: Wenn dein innerer Nörgler wieder Fahrt aufnimmt, achte darauf wann und wo er es macht. Fang nicht an mit ihm zu diskutieren, höre nur zu und lass ihn ins Leere laufen.

Nimm ein Tagebuch und schreib es da hinein, immer wenn etwas Neues kommt. Anzeichen dafür, dass der innere Kritiker am Werk ist, sind oft Gedanken die mit

Ich darf nicht... Ich sollte... oder Ich müsste... anfangen.

Diese sind ganz oft einfach nicht wahr. Schreib es auf. Rechtfertige dich nicht. Achte darauf, welche Gefühle es in dir erzeugt, wenn du an das glaubst was du da denkst. Entlarve die Unwahrheiten Schritt für Schritt.

Wenn du nicht genau weißt, wie du die Unwahrheiten entlarven kannst, hinterfrage sie schrittweise.

Beginne dabei nicht mit den ganz großen Brocken, sondern such dir erst eine der kleineren Hürden aus. Wenn du dabei Fortschritte siehst, arbeite dich langsam weiter vor.


3. Fragen, die den inneren Kritiker leiser drehen

Nutze den kleinen Saboteur als Wegweiser zu deinen unbewussten Ängsten und Zweifeln. Demaskiere jede Situation, indem du sie solange hinterfragst, bis sie an Macht über dich verliert.

Wenn dich der innere Kritiker wieder quält, nimm dir einen Moment und stelle dir die folgenden Fragen. Beantworte sie ehrlich und überlege jeweils nicht zu lange.

Meist kommt uns die Lösung schon innerhalb der ersten 5 Sekunden. Fang gar nicht erst an abzuwägen und zu zweifeln. Schreib es sofort auf.

​1. Glaube ich das, was ich gerade denke, wirklich?

2. Von außen betrachtet: Ist das wirklich wahr?

3. Was passiert mit mir, wenn ich daran glaube?

4. Wie realisitisch ist es, dass meine Befürchtungen eintreten?

5. Wie könnte ich mich in der Situation verhalten, wenn ich diese Angst nicht hätte?

6. Was würde ich meiner besten Freundin in dieser Situation sagen?

7. Wie sähe mein Leben aus, wenn ich diese Angst oder diesen Zweifel nicht hätte?


4. Stärke dich selbst

Unternimm Dinge, die dein Selbstwertgefühl stärken, bei denen du dich gut fühlst. Gib deinen eigenen guten Gefühlen einen großen Stellenwert in deinem Leben. Und hänge deinen vermeintlichen Fehlern nicht zu lange nach – harke sie ab.

Feiere deine kleinen Erfolge im Leben und koste das Gefühl aus. Damit verkleinerst du den Raum für Selbstzweifel und Selbstkritik.

Hol dir im Zweifelsfall Unterstützung von anderen Menschen – deinem Partner, Freunden, einem Lebensberater oder Coach – jemandem bei dem du dich gut aufgehoben fühlst. Der Austausch verschafft dir Erleichterung und gibt neue Impulse. Beides entzieht deinem persönlichen Nörgler den Nährboden und schwächt seine Position.


Das eine, über das der innere Kritiker keine Macht hat

Sich von dem inneren Kritiker verunsichern zu lassen ist völlig menschlich. Aber du kannst dich auf den Weg machen und nach und nach die Selbstzweifel und Ängste auf die er dich hinweist aus deinem System entfernen. Damit drehst du nicht nur ihn leiser, sondern verspürst auch Schritt für Schritt mehr Leichtigkeit und Sicherheit in deinem Leben.

Doch die allerbeste Methode, gegen die selbst dieses fiese Stimmchen keine Macht hat bist du. Du, deine Entscheidung und deine Wünsche.

Mach dir klar, dass dein innerer Kritiker so viel dummes Zeug reden kann wie er möchte. Die Entscheidung ihm zu glauben – oder eben nicht – liegt ganz bei dir. Auch wenn er vor langer Zeit einer Autorität in deinem Leben entsprungen ist, jetzt muss er es mit dir aufnehmen. Und du bist deine eigene Autorität.

Du entscheidest jetzt, was dein Leben bestimmt.

Wie drehst du deinem inneren Kritiker den Saft ab? Hast du schon eine erfolgreiche Strategie gefunden?

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1 Antwort

  1. Erleuchteter
    Einatmend kontempliere ich den inneren Tyrannen, ausatmend lasse ich ihn los frei nach Thich Nath Hanh

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