Wie Chris ihren Heißhunger auf Schokolade losgelassen hat.

Ich spüre die Anwesenheit von Schokolade – da bin ich wie ein Trüffelschwein.“

So beschrieb Chris ihre größte Herausforderung beim Thema Essen. Heißhunger auf Schokolade sei - vor allem in ihren Gedanken – ihr ständiger Begleiter, erzählte sie in meinem Workshop „Meine Essmuster erkennen, verstehen und loslassen“ im letzten Jahr.

Sie sei im Laufe der Zeit schon bewusst auf hochwertigere Marken und Hersteller umgestiegen, um weniger in Völlerei zu verfallen. Dadurch hoffte sie weniger zu essen und den Schwerpunkt mehr auf den Genuss zu legen. Nicht immer mit Erfolg. Wenn sie nicht gut drauf sei, könne es passieren, dass sie sich regelrecht vollstopfe, erklärte sie.

Ihr Umfeld hatte allerdings wenig Verständnis für ihre persönliche Challenge, auch weil man es ihr nicht unbedingt ansehen konnte, dass ihr Heißhunger auf Schokolade so groß war.


Das Gefühl ist der Auslöser, nicht die Schokolade

In meinen Workshops und Coachings geht es nicht um eine bestimmte Form von Ernährung. Es ist auch nicht das Ziel irgendetwas gar nicht mehr zu essen. Es geht vielmehr darum zu einem entspannten und intuitiven Umgang mit Essen zu gelangen.

Das passiert nicht über Willenskraft, Selbstbeherrschung oder das Einhalten bestimmter Regeln. Es geht darum herauszufinden, was einen dazu bringt zu essen, obwohl man gar keinen Hunger hat.


Sich selbst nicht vertrauen können

Chris erzählte mit ihrem trockenen Humor, dass sie mittlerweile überzeugt war jegliches Produkt aus der Gattung Kakao sofort restlos zu vertilgen, wenn sie es nur über die Türschwelle tragen würde.

Sie habe schon öfter Schokolade in den Mülleimer geworfen, um sie unschädlich zu machen. Sie vertraue sich da selber nicht.

Das sei so ähnlich wie in der Szene aus Sex and the City mit Miranda und dem Schokoladenkuchen. Wenn du diese Folge gesehen hast, kannst du das Gefühl wahrscheinlich ziemlich gut nachempfinden. Am Ende spritzt sie Spülmittel auf den Kuchen, damit sie ihn nicht weiter aus dem Mülleimer isst.

Chris erklärtes Ziel war es, soweit zu kommen, dass sie Schokolade im Haus haben kann, ohne dass sie den Impuls verspürt sie sofort zu essen. Sie wollte sich selber von ihrem inneren Zwang befreien.

Heisshunger auf Schokolade loslassen - so hat Chris es geschafft
Schnitzeljagd mit dem Unterbewusstsein

Im Workshop gibt es unterschiedliche praktische Übungen mit denen du die Möglichkeit bekommst, deine inneren Antreiber und unbewussten Verknüpfungen zu spüren und teilweise auch zu sehen.

Es ist ein bisschen wie eine Schnitzeljagd. Man sammelt verschiedene Hinweise, die einem ein Gefühl dafür geben, was unbewusst in einem vorgeht und den inneren Impuls zu essen auslöst.

Zu Anfang zog sie eine Karte aus einem Kartendeck als Antwort auf die Frage was die Botschaft hinter ihrem Heißhunger auf Schokolade sei. Die Nachricht auf der Karte lautete „Ich gestalte mein Leben neu“.

Bei der ersten Übung ging es darum bei unterschiedlichen Gefühlen zu spüren welches die größte Resonanz in Zusammenhang mit dem eigenen Essmuster auslöste. Sie spürte, dass der Wunsch nach Schutz einer der stärksten Auslöser für ihre Lust und ihren Heißhunger auf Schokolade war.

Fette Torte statt vieler Worte

Etwas später, bei einer Visualisierungsübung sah sie sich in einer Szene bei ihrer Oma am Kaffeetisch sitzen. Auf dem Tisch stand eine Buttercremetorte. Sie wollte diese Torte eigentlich nicht essen. Es wurde nicht viel gesprochen, sondern stattdessen gegessen. Kuchen statt Kommunikation. Als jüngstes Mitglied der Runde fühlte sie sich dabei allein, unverstanden und überfordert.


Puzzlen, um das Gesamtbild zu erkennen

Nach dem Workshop achtete sie verstärkt darauf in welchen Situationen ihr Bedürfnis und die Gedanken an Schokolade plötzlich auftraten.

Als sie ungefähr zwei Monate nach dem Workshop ins Coaching kam, legten wir die vorhandenen Teile zusammen und füllten gemeinsam die verbleibenden Lücken.

Sie erzählte davon, dass sie sich als Kind schon regelmäßig am Wochenende direkt nach dem Frühstück mit dem aktuellen lustigen Taschenbuch in eine Art selbstgebaute Höhle in ihrem Bett zurückgezogen hatte.

Dazu habe sie sich vorher Schokolade aus dem Vorrat ihrer Mutter stibitzt. Das sei der Inbegriff ihrer „sicheren Insel“ gewesen. So etwas wie ihr eigener geschützter Raum.

Ihr wurde bewusst, dass sie über verschiedenes Naschzeug aus Kakao auch heute noch versuchte dieses Gefühl wieder herzustellen.

Dein Heisshunger-Selbsttest
Unbewusste Signale der Eltern

Schon im Workshop war ihr deutlich geworden, dass die unbewussten Verbote und Antreiber aus ihrem Elternhaus auch eine bedeutende Rolle bei ihren Verknüpfungen zum Heißhunger auf Schokolade spielten.

Als jüngstes Kind hatte sie immer das Gefühl nicht zu schnell erwachsen werden zu dürfen. Zusätzlich vermittelten ihre Eltern ihr, dass sie ihre Gefühle nicht zu deutlich zeigen dürfe, da dies dann als Schwäche interpretiert würde.

Die Schokolade half ihr dabei ihre Energie zu dämpfen und dadurch ihre Gefühle zu drosseln. Die Trägheit, die im Zuckerkoma entstand, wirkte wie eine Art Selbstbetäubung und half ihr wichtige Impulse zur Veränderung nicht spüren und ihnen damit nicht nachgehen zu müssen.

Dadurch war die Schokolade für sie das Mittel ihre Gefühle zu beherrschen. Sie durfte sich immer wieder wie ein Kind fühlen, dass belohnt wurde und keine Verantwortung übernehmen musste.

Das war im wesentlichen das Muster hinter ihrem Heißhunger auf Schokolade.

Chris erkannt alle Funktionen, die die Schokolade in ihrem Leben erfüllt hatte. An diesem Punkte fühlte sich das Puzzle für sie komplett an. Sie konnte die Gefühle der Unsicherheit, Ohnmacht und ihre Ängste, die sie in diesem Muster festgehalten hatten, loslassen.

Wir nutzten dazu ein Ritual, ähnlich denen, die ich in diesem Artikel beschrieben habe: 8 wirksame Rituale mit denen du belastende Gefühle loslassen und Frustessen vermeiden kannst.


Macht keine Schokolade unglücklich?

​Ein paar Wochen nach dem Coaching meldete sich Chris, um Bericht zu erstatten. Sie sagte, es sei ihr zunächst gar nicht aufgefallen, dass sich etwas verändert habe. Es sei alles so schnell schon normal geworden.

Erst als sie darüber nachdachte sich bei mir zu melden, wurde ihr die Veränderung wirklich bewusst.

Trotz stressiger Zeit im Job hat mein Heißhunger auf Schokoladen stark nachgelassen. Ich kann sie essen aber ich bin da nicht mehr so hinterher. Wenn ich wie aus Gewohnheit mal einen Impuls bekomme, geht der schnell vorbei. Ich habe das Bedürfnis einfach nicht mehr. Der Kampf hat aufgehört.“


"Gestern habe ich zufällig 2 Tafeln Lindt-Schokolade in der Cookies-Dose gefunden, die ich komplett vergessen hatte. Das wäre früher nie vorgekommen." 🙂


"Ich fühle mich befreit und habe insgesamt an Stärke gewonnen. Der ganze Mythos von wegen Schokolade macht glücklich, blablabla. Ich bin genauso glücklich wie vorher auch – eigentlich eher mehr!"


Zusätzlich habe sich das Verhältnis zu ihrer Familie auch noch entspannt, weil sie sich da jetzt besser abgrenzen könne. Es habe sich also in mehrfacher Hinsicht gelohnt hinzuschauen und sich mit den Themen hinter dem Essmuster auseinanderzusetzen.

Chris' Geschichte ist nur ein Beispiel dafür wie ein Essmuster ganz konkret aussehen kann. Ihre Themen und ihr Ergebnis ist nicht allgemein gültig oder übertragbar.

Ob dein Puzzle 10, 50 oder 100 Teile hat wird erst deutlich, wenn du mit dem Sammeln angefangen hast. Es kann im Einzelfall schneller gehen als bei Chris. Es kann aber auch länger dauern bis man alles zusammengefügt hat.


Jetzt interessiert mich zu erfahren, was deine größte Herausforderung beim Essen ist.

Kommt dir etwas aus Chris' Geschichte bekannt vor?
Kennst du diesen Heißhunger auf Schokolade oder ist es bei dir etwas anderes?
Ich freue mich über deine Erfahrungen in den Kommentaren!

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2 Antworten

  1. Als Kind hatte ich schnell mal genug vom essen, es gab auch nur ein kleines Lebensmittelgeschäft in unserer Kleinstadt und süßes war nie Zuhause ausser Mehlspeisen wie Kaiserschmarrn und solche Sachen. Diese waren jedoch eine Hauptmahlzeit. Dann siedelte sich Hofer bei euch ist es der Aldi an und alles änderte sich. Plötzlich gab es billige Süßigkeiten und da hat meine Mutter angefangen zu sagen wenn ich aufesse bekomme ich als Belohnung etwas süßes. Ja was soll ich sagen, ich kämpfe mit meinen Gewicht bin übergewichtig und ich habe ein starkes Verlangen nach süßen, besonders nach dem Essen. Danke für deinen interessanten Beitrag und liebe Grüße aus Österreich.
    • Martina Aust
      Liebe Andrea, das sind so klassische Situationen, in denen wir emotionale Verknüpfungen mit dem Essen bilden. Es kann die Belohnung sein, es könnte aber auch ein anderer emotionaler Gewinn für Dich daran geknüpft sein. Wenn man das genau herausfindet, kann man diese Verknüpfung auch wieder trennen und das Essverhalten dadurch ändern. Liebe Grüße, Martina.

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