Wie intuitives Schreiben mehr Frieden in dein Essverhalten bringt.

Wer schreibt, kann damit Ordnung in seine Gedanken bringen und sich fokussieren. Durch intuitives Schreiben förderst du unbewusste Verknüpfungen ans Tageslicht, bekommst neue Erkenntnisse und unterstützt die Verarbeitung von Erlebnissen.

Diese Form der Selbstreflexion kann Entscheidungsprozesse beschleunigen. Wer regelmäßig Tagebuch schreibt hat wahrscheinlich die Erfahrung gemacht, dass er neue Sichtweisen aus sich selbst heraus bekommt und auf längere Sicht seine Seele entlastet.


Was hat das mit dem Essen zu tun?


​Ich bin der Überzeugung, dass wir so essen wie wir essen weil wir so fühlen wie wir fühlen. Das heißt, wenn man lediglich eine Verhaltensänderung vornimmt kann das über einen gewissen Zeitraum funktionieren. Da wir damit aber dauerhaft gegen unsere Gefühle handeln, werden wir das nur mit extremem Kraftaufwand schaffen.

An irgendeinem Punkt, wenn wir gerade diese Kraft nicht mehr aufbringen können, kratzen wir die Kurve und kehren zu alten Gewohnheiten zurück.

Dein Heisshunger-Selbsttest


Und wie kommst du aus der Schleife raus?

Indem du dir die Gründe für das gewohnte Essverhalten ansiehst. Also die Gefühlsmuster, die dich dazu bringen zu viel zwischendurch oder eben das Falsche zu essen.

Nachdenken bringt dich an der Stelle nur bedingt weiter, weil diese Muster nun mal unbewusst sind. Daher kann dir alles was dir den Zugang zu deinen unbewussten Gefühlen ermöglicht mehr helfen als eine erzwungene Verhaltensänderung.

Intuitives Schreiben kann ein Mittel sein, genau diese Brücke zwischen unbewusst und bewusst zu schlagen. Dinge, die wir vor uns selbst als klein und unbedeutend bewerten, stehen plötzlich auf dem Papier und machen uns klar, dass sie uns betreffen.

Aus meiner Sicht gibt es drei Anlässe zu denen du intuitives Schreiben sinnvoll bei der Erkundung deiner Essmuster einsetzen kannst:

  1. präventiv 
  2. in der Situation des Heißhungers
  3. nach dem Heißhunger 

Wenn du dir regelmäßig alles was in deinem Kopf so seine Kreise dreht und dich ständig beschäftigt, von der Seele schreibst, hat das auf Dauer einen entlastenden Effekt. Dadurch lässt du dich langfristig nicht mehr so leicht aus dem Gleichgewicht bringen und bist damit weniger anfällig für emotionales Essen.

Wie intuitives Schreiben mehr Frieden in dein Essverhalten bringt
Morgenseiten schreiben

Die amerikanische Autorin und Trainerin Julia Cameron hat die sogenannten Morgenseiten entwickelt. Sie setzt diese Technik unter anderem zur Aktivierung der Kreativität ein. Morgenseiten sind einfach drei mit der Hand geschriebene Seiten, die nur deinem Gedankenstrom folgen.

Man schreibt sie am besten morgens direkt nach dem Aufstehen. Ihre Hauptfunktion ist das Gehirn von Ballast zu befreien. Und wenn du jetzt denkst, dass dir bestimmt nichts einfällt, dann schreibst du einfach genau das auf. Es geht auf keinen Fall um den Text, der dabei herauskommt.

Es geht um Entgiftung. Dabei gibt es keine unwichtigen, trivialen oder peinlichen Gedanken oder Gefühle. Alles muss raus.

​Bist du auch der Meinung, nicht so der Typ für Meditation zu sein, obwohl es bestimmt total gut für dich wäre?

Dann versuche es mal mit den Morgenseiten. Dein Verstand bekommt dabei etwas zu tun und kann daher nicht so leicht boykottieren wie beim Meditieren. Er kontrolliert den Schreibprozess während du den Stift hältst und ihn über das Papier führst. Damit ist er erst mal beschäftigt.

Bei den Inhalten solltest du ihn allerdings soweit wie möglich nur beobachten und nicht eingreifen lassen. Das gelingt mit der Zeit immer besser, weil dein innerer Kritiker merkt, dass das Risiko bei den Morgenseiten zu versagen oder etwas falsch zu machen überschaubar ist.


Wenn du Morgenseiten schreibst, minimierst du deinen inneren Kritiker.
Julia Cameron


Bei mir hatte regelmäßiges intuitives Schreiben der Morgenseiten direkt nach dem Aufstehen schon nach kurzer Zeit positive Effekte. Ich war den Tag über deutlich entspannter, mehr bei mir selber und bestimmt dreißig Prozent besser drauf als sonst. Damit hat sich das frühere Aufstehen auf jeden Fall gelohnt.


Über intuitives Schreiben unbewusste Essmuster aufs Papier bringen

Wenn du gerade in der Situation bist, dass du unbedingt zum Kühl- oder auch irgendeinem anderen Schrank gehen musst, um Beute zu machen, dann halte kurz inne. Versprich deinem inneren Antreiber, dass er zu seinem Recht kommt, wenn er vorher mithilft. Setze dich dann hin und fange sofort an zu schreiben. Du kannst dabei folgende Sätze vervollständigen: 

Im Augenblick fühle ich mich wirklich …
Heute ist mir etwas Unangenehmes passiert und zwar …
Wenn ich jetzt nichts essen kann, würde ich am liebsten …

Versuche möglichst in einem durch so viel zu schreiben bis nichts mehr kommt. Wenn du das öfter machst, wirst du feststellen, dass es dir immer leichter fällt. Du merkst, dass sich die Situationen ähneln und das die Gefühle vergleichbar sind. Insgesamt wird dein Bild deines eigenen Essmusters immer klarer, je öfter du diese Methode anwendest.

Nun ist man ja nicht in jeder Situation in der Lage, Stift und Papier zur Hand zu nehmen und erst einmal intuitives Schreiben zu betreiben. Daher kannst du auch, wenn du tagsüber die ein oder andere Snackattacke hattest, das Schreiben am Abend einfach nachholen.

Frage dich auch in diesem Fall was zuvor passiert ist und was genau du dazu fühlst. Da du in diesem Fall nicht mehr in der akuten Situation bist, kannst du auch noch etwas tiefer schauen. Wenn es dir leichter fällt kannst du dazu folgende Sätze nutzen: 

Heute hat mich echt genervt, dass …
Ich fühle mich dabei wirklich …
Ich kenne dieses Gefühl von…
Zum ersten Mal hatte ich dieses Gefühl als …

In der Regel sind die spontansten Gedanken diejenigen, die aus dem Unterbewusstsein kommen. Wenn du anfängst nachzudenken und dir ein paar Sekunden Zeit lässt zu überlegen, bevor zu losschreibst, hat in der Regel dein Verstand schon übernommen und bewertet. Dann bekommst du keine neuen Erkenntnisse, sondern bringst zu Papier was sich auch sonst tagtäglich in deinem Kopf so im Kreis denkt.

Deshalb schreib einfach drauf los, ohne zu zögern. Lies es nicht beim Schreiben noch mal durch, sondern bleib im Fluss und mach einfach immer weiter. Wenn du es hinterher nicht mehr gut lesen und dich später beim Durchlesen kaum noch daran erinnern kannst was du geschrieben hast, dann kam es wahrscheinlich direkt aus dem Unterbewusstsein.


Ohne den inneren Kritiker in den Flow kommen

Denke dran, deinen inneren Kritiker für die Zeit des Schreibens kurz auf Pause zu setzen. Während des Schreibens ist es wichtig, dass du so wenig wie möglich darüber nachdenkst. Lass einfach alles heraus, so wie es im allerersten Moment kommt. Quasi direkt von Herz über den Stift auf das Papier.

Egal, wenn es etwas weinerlich, übersensibel, empfindlich oder sonst wie unpassend klingt. Das ist komplett unwichtig. Sag dir einfach: Was raus ist, ist raus! Je mehr, desto besser. Stell es dir wie eine emotionale Entgiftung vor. Detox halt, das klingt doch immer gut.

Je länger zu schreibst, desto eher kommst du in den Fluss, der dir den Zugang zu neuen Informationen und unbewussten Assoziationen ermöglicht.

Versuche nicht ins Grübeln oder Analysieren zu verfallen. Schaue beim Schreiben nicht zurück auf das Geschriebene und führe auch keinen Plausibilitätscheck mittendrin durch. Auch wenn du dich verschreibst oder es peinlich klingt – es bekommt ja niemand zu sehen.

Halte dich nicht mit dem Denken über das Geschriebene auf. Das bringt dich nur aus dem Fluss deiner Gefühle.

Wenn du doch einmal das Gefühl hast nicht weiter zu wissen, bleibe in Bewegung mache solange Gedankenstriche oder schreibe genau das auf: Mir fällt gerade nichts mehr ein aber das wird sich bestimmt gleich wieder ändern, denn es gibt noch etwas Wichtiges und zwar …

Irgendwann kommst du in den sogenannten „Flow“, wo alles wie von alleine geschieht und du in den Augenblick eintauchst. Man könnte es also auch Schreibmeditation nennen. Über deine eigene Schrift zu dir selbst finden.

Nach dem Schreiben kannst du die Themen bewusst angehen. Wenn du selber etwas ganz konkret benannt hast, verliert es vielleicht sogar seinen Schrecken. So wie die Sorgen, die man sich nachts macht am nächsten Tag meist schon deutlich weniger dramatisch erscheinen.

Auf jeden Fall wirst du mehr Klarheit über die Gründe aus denen du isst bekommen. Intuitives Schreiben setzt dich in eine aktive Gestalterrolle. Du bist den Automatismen weniger ausgeliefert.

Jetzt möchstest du wissen, wie du nach der intensiven Analyse und Schreibarbeit weiter machen kannst? Hier findest du bestimmt ein passendes Ritual, dass dir beim Loslassen hilft: 8 wirksame Rituale mit denen du belastende Gefühle loslassen und Frustessen vermeiden kannst.

Schreibst du schon regelmäßig oder willst du es mal probieren? Was sind deine Erfahrungen? Ich würde sehr gerne mehr darüber in den Kommentaren erfahren.

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2 Antworten

  1. Walter
    Ja, ich habe schon öfter aus unterschiedlichen Gründen Tagebuch geschrieben. Teilweise Inhalte von spannenden Sachbücher in dieses Buch aufgeschrieben mit ersten Assoziationen und Gedanken. Es hat sich sehr frei angefühlt, und es hat beim verarbeiten geholfen. Eigentlich war geplant später geschriebenes nachzulesen. Es wird sich zeigen, ob das passiert...
    • Martina Aust
      Lieber Walter, vielen Dank für den Beitrag. Ich schaffe auch nicht alles nachzulesen, was ich schon geschrieben habe ;-) Aber ich finde den Effekt den Kopf frei und die Gedanken geordnet zu haben meist auch schon erstaunlich erleichternd. PS: Sorry für die späte Antwort, ich hatte ein kleines Spam-Problem bei den Kommentaren und Du bist dabei etwas untergegangen. :-)

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