Wie lasse ich los, wenn ich nicht loslassen kann?

​Was macht dein Verstand denn so, wenn du ihn unbeaufsichtigt lässt? Wühlt er auch in längst Vergangenem und badet dabei ausgiebig in Selbstmitleid und verpassten Chancen?

Solange du unverarbeitete Verletzungen und nicht abgeschlossene Verbindungen immer wieder mit Energie versorgst, hast du ein prima Selbst-Sabotageprogramm kreiert.

Damit kannst du dich in Nullkommanix von jeder Wolke 7 mit einem Enterhaken selbst wieder runterholen.

Funktioniert garantiert.

Je mehr Themen wir da so im Laufe des Lebens angesammelt haben und je länger wir dieses Wiederkäuen schon praktizieren, desto weniger Aufwand braucht es, um die Maschine in Gang zu setzen.

Irgendwann springt sie schon dann automatisch an, wenn du ein wenig Ruhe hast oder der Kopf gerade nichts anderes zu tun hat.

Was da hilft? Ausmisten. Durchfegen. LOSLASSEN.


​WAS wir oft nicht loslassen können.

​Das WAS ist in sehr vielen Fällen ein WER. Jemand, der uns verletzt hat, dem wir nicht so wichtig waren, wie er uns. Der unsere Erwartungen nicht erfüllt hat.

Das kann eine Liebesbeziehung gewesen sein oder eine Freundschaft, von der du dachtest, sie würde für immer halten.

Wenn es dann wider Erwarten anders kommt, können wir das nur schwer akzeptieren.

Wir kauen es unzählige Male in Gedanken durch und suchen nach dem Punkt, an dem es schiefgelaufen ist und was wir hätten anders machen können.  

Das ist auch gut so, denn man will es ja verstehen. Allerdings ist man irgendwann an dem Punkt, an dem jeder Gedanke schon hundert Mal gedacht worden und schon lange keine neue Erkenntnis mehr hinzugekommen ist.

​Dann ist es Zeit loszulassen.

Nicht nur die Enttäuschung durch den Ex-Partner oder die ehemals vielleicht beste Freundin. Du kannst auch einen Ort, wie z. B. deine Traumwohnung, die du durch einen notwendigen Ortswechsel zurücklassen musstest, anständig verabschieden. Oder ein Herzensprojekt, in das du mal all deine Hoffnungen gesteckt hattest. Oder einen Job, den du schweren Herzens aufgeben musstest.

Alles, was aus deiner Sicht aus dem Status “nicht loslassen können” zu “in Frieden gegangen” wechseln sollte. Alles, was einen anständigen Abschied bekommen soll.

Das geht übrigens auch noch nach mehreren Jahren.

Wichtig ist dabei nur, dass du dich wirklich dazu entscheidest, weil dir dein innerer Frieden und deine Zukunft wichtiger sind, als weiter mit einem Bein in der Vergangenheit stecken zu bleiben.

Die Schwere von deinem Herzen zu nehmen und beide Beine und Hände wieder frei zu kriegen, ist Ziel des Loslass-Prozesses.


WARUM wir nicht loslassen können.

Je wichtiger uns die alte Situation war, desto stärker sind die Gefühle, die uns noch an sie binden. Enttäuschung. Wut. Schmerz. Trauer. Schuld. Scham. Wehmut. Versagen.

Diese Gefühle halten uns in der alten Situation gefangen, obwohl sie selbst längst vorbei ist.

​Schmerz ist unvermeidlich. Leiden ist optional.

Schmerz gehört zum Leben dazu. Wir können ihn nicht vermeiden oder umgehen. Ihn zu bemerken und zu fühlen ist wichtig, sonst sucht er sich irgendwann andere Ausdrucksformen.

... und finde heraus, was die inneren Antreiber für deinen
Heißhunger sind.

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Jahrelang an ihm festzuhalten und ihn nicht wieder gehen zu lassen, führt dazu, dass du leidest.

So jemanden treffe ich nie wieder.
Das war mein Traum, was bleibt mir jetzt noch?
So glücklich werde ich nie wieder.


Es ist wahr. Es gab eine Zeit, in der die alte Situation perfekt für dich war.

Aber etwas hat sich verändert.

Du hast dich verändert. Die andere Person hat sich verändert. Deine Lebensumstände haben sich verändert. Deine Bedürfnisse haben sich verändert.

Neue Chancen kommen in dein Leben, wenn du Platz in dir schaffst, innerlich offen bist und die Energie von der alten Situation abziehst.  

Solange du noch mit deinen Gedanken und Emotionen regelmäßig bei einer anderen Person, verpassten Gelegenheit oder alten Lebenssituation bist, fließt deine Energie auch genau da hin.

Diese Energie fehlt dir nicht nur im Alltag, sondern auch dabei, deine Zukunft positiv zu gestalten.


WIE lasse ich los?

1 | Akzeptanz

Loslassen gelingt so lange nicht, wie du im Widerstand zu einem Ereignis bist, dass tatsächlich schon Realität ist.

Wenn du täglich kämpfst, gegen die bestehenden Umstände, gegen dich selbst und andere, dann hältst du weiter fest.

Dieser Kampf verbraucht eine Menge Energie und erzeugt unangenehme Gefühle, die dich runterziehen und beschweren.  

Oft fühlt sich das dann so an, als ob diese Gefühle durch das Ereignis selbst hervorgerufen würden. Dann siehst du dich darin bestätigt, dass du nicht loslassen kannst, weil es zu schmerzhaft ist.

Dieser Kreislauf kann sich über Jahre hinziehen. Je mehr Energie du hineingibst, umso stärker wird der Automatismus, der ständig unbewusst im Hintergrund läuft und dir dauerhaft deine Stimmung vermiest.

Es gibt aber eine Möglichkeit diese Entwicklung zu verhindern und das ist die Akzeptanz der Situation, so wie sie ist.

Gehe vom aktuellen Stand aus: Der Mensch, der dir so wichtig war, ist nicht mehr da. Dein Herzensprojekt ist gescheitert.

Gehe nicht mehr in die Vergangenheit und überlege, was irgendjemand zu welcher Zeit hätte tun können, um das zu verhindern.

Es ist, wie es ist.    

Im Moment des Schmerzes oder der Enttäuschung ist es schwer zu erkennen, aber sehr oft steckt auch in unangenehmen Erfahrungen eine Art versteckter Segen oder zumindest eine wichtige Erkenntnis.

Wenn du dich auf die Suche nach ihr machst, kannst du leichter Frieden schließen.

Worauf hat dich diese Erfahrung hingewiesen?
Welche neuen Möglichkeiten haben sich dadurch ergeben?
Was hast du für die Zukunft gelernt?

Bevor du jetzt innerlich auf die Barrikaden gehst, nimm dir beispielhaft eine Situation vor, die schon etliche Jahre her ist. Je weiter in der Vergangenheit ein Ereignis liegt, desto leichter fällt es dir wahrscheinlich, den versteckten Nutzen zu erkennen.

Probiere es mit Ereignissen, die dich heute nicht mehr so stark tangieren. Wenn du das Prinzip nachvollziehen kannst, kannst du es mit der Zeit auch auf die jüngere Vergangenheit anwenden.

Je geübter du darin wirst, die versteckte Botschaft hinter vermeintlichen Katastrophen zu erkennen, desto schneller kannst du sie verarbeiten und dauerhaft hinter dir lassen.


2 | Den Entschluss fassen

Wenn du loslassen willst, musst du eine klare Entscheidung treffen. Sei ehrlich zu dir selbst.

Bist du bereit loszulassen oder meinst du, dass die Person eigentlich noch für das büßen müsste, was sie dir angetan hat?

Darf er oder sie der gerechten Strafe nicht entgehen und bist du die Person, die dafür sorgen muss?

Geht es dir noch darum Schuld und Unschuld zu beweisen oder andere davon zu überzeugen, dass deine Sicht die einzig wahre ist?

Loslassen hat nichts damit zu tun. Loslassen heißt, die Kontrolle aufzugeben. Die Dinge so zu lassen wie sie sind.

Dich selbst zu verändern, damit sich etwas verändern kann.

Überlasse die Schuldfrage dem universellen Gesetz von Ursache und Wirkung: KARMA. Wenn du das tust, kannst du beruhigt mit deinem eigenen Leben weitermachen.

Mache dir deine wahren Gefühle bewusst.

Wechsele von WIE lasse ich los? Zu WAS lasse ich los?

Schreibe dir einmal alles von der Seele. Schreibe einen Abschiedsbrief an die Person, die dich enttäuscht hat oder dein Herzensprojekt, dass du aufgeben musstest.

Schreib es dir von der Seele.

Alle deine schmerzhaften Gefühle aber auch die schönen Momente, die du hattest.

Nein, der Brief wird natürlich nicht abgeschickt.

Es geht darum, dass du bei dir aufräumst, die Energien aus deinem System entlässt. Dazu gehört auch, den Wunsch aufzugeben, die andere Person oder Situation im Nachhinein noch irgendwie zu beeinflussen. Es geht um dich, deine Gefühle und deinen Anteil daran.

Es kann sein, dass du ein paar Tage brauchst, bis du wirklich alles heruntergeschrieben hast, was in dir so seine Kreise zieht. Nimm dir die Zeit.

​Alles, wofür ich Worte finde, kann ich hinter mir lassen.
​Platon

Wenn es sich rund anfühlt, schließe den Brief ab.

Fühle ich dich hinein, wann der beste Zeitpunkt ist und wandle die Energie dann um, indem du ihn verbrennst, vergräbst oder den Wasser übergibst. Wähle aus, was sich für dich am stimmigsten anfühlt.


3 | Verträge lösen

Welche Verträge hast du mit der Person oder Situation, die du eigentlich loslassen willst, geschlossen?

Bei einer Wohnung oder einem Job ist es ja relativ einfach. Aber auch mit anderen Menschen haben wir Verträge, die nicht auf Papier stehen und trotzdem genauso wirksam sind.

Mit wem hast du dir ewige Liebe oder Treue geschworen?

Ich bin immer für dich da, egal was passiert.
Du kannst mich jederzeit anrufen, wenn irgendetwas ist.
Das ist mein/e absolute/r Traum...


Alle Versprechen, Zusagen oder Erlaubnisse, die du zusätzlich mit “immer”, “ewig” oder ähnlichen Zeitangaben versehen hast, wirken auch genauso lange.

Mache sie dir bewusst, schreibe sie am besten auf, das hilft dir deine Gedanken zu ordnen und mehr Informationen von deinem Unterbewusstsein dazu zu bekommen.

Dann kannst du darunter schreiben, dass du alle Beteiligten von ihren Versprechen entbindest und deine Notizen zusammen mit dem Brief durch das Feuer transformieren lassen. 🙂

Das heißt übrigens nicht, dass du nicht helfen würdest, wenn jemand in Not ist. Das kannst du in dem Moment frei entscheiden.

Es heißt nur, dass du die Verpflichtung und die Erlaubnis zum permanenten und unbewussten Zugriff auf dich und deine Energie wieder zurücknimmst.


4 | Vergebung und Abschied

Unbewusst festgehaltene Gefühle verhindern oft, das sich Konflikte lösen können und man sein inneres Gleichgewicht wiederfindet.

Ein Vergebungs- oder Abschiedsritual, je nachdem in welchem Bereich du deinen inneren Frieden zurückbekommen willst, kann dir helfen, diese unbewussten Informationen aus deinem System wieder zu entlassen.

Eine Möglichkeit ist das aus dem hawaiianischen Schamanismus stammende Hoʻoponopono, was wörtlich übersetzt soviel heißt wie "die Dinge wieder richtig stellen".

​Es ist eine Art geistige Reinigung, die dir hilft Beziehungen zu heilen und die inneren Blockaden zu beseitigen. Du findest jede Menge Anleitungen dazu im Internet.

Am weitesten verbreitet ist mittlerweile eine verkürzte Version, die aus 4 Sätzen besteht.

Wichtig dabei ist aber nicht der genaue Wortlaut, sondern die Absicht, die du damit verbindest und inwieweit du es mit deinem Herzen fühlst.

Du kannst dir daher auch dein eigenes Ritual entwickeln, das denselben Zweck erfüllt.

Hier als Beispiel meine eigene Version, die ich in solchen Fällen durchführe:

Liebe/r …


​Ich liebe dich. Ich liebe mich.

Ich vergebe dir. Ich vergebe mir.

Ich lasse dich gehen.


​Ich danke dir für alle Erfahrungen, die ich durch dich machen und alles, was ich durch dich lernen durfte.​


Ich gehe davon aus, dass diese Situation zum höchsten Wohle aller Beteiligten gelöst wird.


Danke.


Du kannst dir dieses Ritual auch leicht auf ein Abschiedsritual für Orte oder Projekte anpassen. Dabei kannst du nichts falsch machen, denn es kommt immer auf deine Absicht und dein Gefühl dabei an, weniger auf die einzelnen Worte.

Dein Unterbewusstsein braucht das Signal, die Emotionen, die die Vergangenheit noch festhalten, aus deinem System entlassen zu dürfen.
 
Finde das Ritual, das sich für dich stimmig anfühlt und mit dem du am besten klar kommst.


5 | Und dann: Deckel drauf

In der Regel warten wir auf ein Zeichen von außen, dass uns bestätigt, dass wir erfolgreich waren. So wie uns früher unsere Eltern gelobt haben oder wir eine Note in der Schule bekommen haben.

Beim Loslassen bist du selbst deine höchste Instanz. Du entscheidest, wann genug ist und ob du erfolgreich warst. Dein Gefühl ist diese Instanz.

Deshalb ist es wichtig, dass du nach den für dich stimmigen Schritten einen Punkt machst. Mache einen abschließenden Schritt, mit dem du den Prozess für dich besiegelst.

Wenn der Brief verbrannt, dass Vergebungsritual durchgeführt ist, schließe es ab.

Das Siegel kannst du selbst in Form eines Abschlusssatzes kreieren. Überlege dir eine Formulierung, die den kompletten Prozess abrundet und keinen Zweifel lässt.

Damit gibst du auch deinem Unterbewusstsein das Signal, dass es nicht notwendig ist weiter nachzugrübeln oder sich noch eine Hintertür offenzuhalten.

Du kannst z. B. sagen oder denken: Ich danke dafür, dass es geschehen ist.

Wie lasse ich los, wenn ich nicht loslassen kann?

​Du möchtest dir mein Loslass-Ritual merken? Dann pinne diesen Artikel auf Pinterest.

​Du gibst damit zu verstehen, dass du davon ausgehst, dass es jetzt erledigt ist. Dass es nichts mehr zu tun gibt. Man bedankt sich in der Regel erst, wenn man etwas schon erhalten hat und zufrieden damit ist.
 
Damit ist das Loslassen abgeschlossen.

Wenn dir in der Zeit danach noch weitere Verletzungen oder tiefer liegende Aspekte in den Sinn kommen, die dir vorher nicht bewusst waren, kannst du den Ablauf noch einmal wiederholen.

Wenn nicht, belasse es dabei und gehe davon aus, dass du Frieden bekommst.

Lasse das Thema eine Zeit ruhen und beobachte, wie es dir damit geht. Es ist klar, dass du nicht über Nacht einen Schalter umlegen kannst, aber du kannst spüren, wenn du auf dem richtigen Weg bist.

Hast du schon einige Tage nicht mehr daran gedacht?
Hast du mehr Frieden als vorher?


Dann hast du die Vergangenheit erfolgreich losgelassen.


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6 Antworten

  1. Liebe Martina Ich danke Dir sehr herzlich für diesen hervorragenden und bereichernden Beitrag. Deine Tipps sind fundiert und hilfreich, werde sie umsetzen. Mir gefällt auch das Ho'oponopono und das Zitat. Vielen Dank für diese Lebenshilfe, bin sehr froh drum. Dir alles Liebe und Gute! Herzlich Regina
    • Martina Aust
      Liebe Regina, es freut mich, dass Du den Beitrag hilfreich findest und vor allem, dass Du gleich in die Umsetzung gehst. Schön, dass ich Dich dazu inspirieren durfte :-) Liebe Grüße, Martina.
  2. Hallo, Es klingt gut, ich werde es auch ausprobieren. Funktioniert es auch wenn man über Jahre vor Jahren viele Situationen loslassen will? Danke Sonja
    • Martina Aust
      Hallo Sonja, es kommt nicht so sehr darauf an, wie lange die Situation her ist, sondern eher wie gründlich Du Dir die damit verbundenen Gefühle klarmachst und sie loslässt. Ich drücke auf jeden Fall die Daumen. Liebe Grüße, Martina
      • Danke, es klappt tatsächlich.
        • Martina Aust
          Super, das freut mich total. Dann hat das Daumendrücken ja geholfen. :-)

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