Ohne Frage kriegst du dein Leben auf die Reihe.

Deinen Alltag. Deinen Job. Alle deine Verantwortlichkeiten.

Es läuft und du funktionierst – in der Regel sogar ziemlich gut.

Nach außen wirkt das sehr stabil. Du weißt, was zu tun ist, triffst Entscheidungen und hältst die Dinge zusammen.

Unabhängig davon gibt es aber immer wieder Momente, in denen du merkst, dass etwas nicht mehr stimmt. Nicht laut, kein Drama, es macht sich eher leise bemerkbar.

Ein Gefühl von Anstrengung, das sich durch alles durchzieht. Eine innere Unstimmigkeit, die du nicht ganz greifen kannst.

Deshalb machst du weiter, denn was sollte die Alternative sein?

Und gleichzeitig wird das Gefühl immer stärker, dass du gegen dich selbst arbeitest. Als würde ein Teil von dir verloren gehen, während du versuchst bloß nicht die Kontrolle loszulassen.

1 | Du funktionierst und hast alles im Griff.

Du bist alles andere als planlos.

Deshalb weißt du ziemlich genau, was dir gut tut und was eher nicht. Du hast ja schließlich schon einige Jahrzehnte mit dir selbst verbracht, Dinge ausprobiert und schon so einiges verändert und losgelassen.

Es ist nicht das Ziel, dass dir fehlt.

Im Gegenteil: Du weißt genau wo du hinwillst und hast oft das Gefühl es besser zu wissen während du am Ziel vorbeisteuerst.

Du hast viel reflektiert, Zusammenhänge erkannt und die Dinge eingeordnet. 

Genau deshalb ist es so paradox, dass es Situationen gibt, in denen all das plötzlich nicht mehr funktioniert. Situationen, in denen du merkst, dass dein Wissen ein stumpfes Werkzeug ist. Dass es nicht greift, wenn du dein Leben oder nur dein Verhalten wirklich nachhaltig verändern willst.

Dann reagierst du anders, als du es eigentlich wolltest – oft sogar genau gegenteilig.

Als ob du es nicht besser wüsstest, obwohl du es sehr genau weißt.

Das Essverhalten ist ein sehr gutes Beispiel für solche Verhaltensmuster. Vielleicht kommt dir das bekannt vor: Du hast einen genauen Plan im Kopf – und machst es dann ganz anders. 

2 | Und trotzdem läuft es nicht wie du willst.

Wenn du jemand bist, der alles im Griff hat – ist genau das das Problem.

An der Stelle beginnt der innere Widerspruch. Denn so gut du in vielen Bereichen sortiert bist – es gibt diese Situationen, in denen deine Willenskraft komplett machtlos ist.

Das wird immer dann klar, wenn du mal wieder an dem Punkt bist, den du eigentlich hinter dir lassen wolltest. In dem Moment ist etwas stärker als dein Wissen und dein Ziel und hebelt dich einfach aus.

Es fühlt sich fast an, wie zwei Seelen in deiner Brust - oder zwei Anteile, die in unterschiedliche Richtungen wollen.

Der eine hat eine genaue Vorstellung und mahnt lautstark zur Umkehr. Der andere ist taub auf beiden Ohren und macht einfach weiter wie bisher und vor allem auch nur was er will.

Je öfter das passiert, desto anstrengender und auch entmutigender wird es. Du beginnst, dich selbst infrage zu stellen.

Eine Frau in einem grauen T-Shirt drückt einen blauen Stressball - sie will Erwartungen und Kontrolle loslassen.

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Mehr Anstrengung, konsequenter sein, zusammenreißen – alles Ansätze. die in diesem Fall genau gar nichts verändern.

Ganz im Gegenteil.

3 | Der überholte Sinn von Kontrolle

An dem Punkt versuchst du dann noch konsequenter und härter gegen dich selbst zu sein. Es ist ja das, was du gelernt hast.

Kontrolle hat dir immer Halt und Hoffnung gegeben.

Sie sorgt dafür, dass du dich nicht verloren fühlst, auch wenn es ganz schön scheppert. Sie hilft dir, den Überblick zu behalten, wenn außen und innen das Chaos regiert.

Deshalb hältst du dich im Zweifelsfall an das, was immer funktioniert und dich durchgebracht hat. 

Wahrscheinlich gab es schon so einige Situationen in deinem Leben, in denen genau das notwendig war. In denen es keine Option war, Kontrolle einfach loszulassen oder nachzugeben.

Also hast du gelernt, dich zu sortieren. Und Weiterzumachen. Du weißt schon, das mit dem Krönchen richten, was man uns jahrelang eingetrichtert hat. 👑

Und man muss ja auch zugeben, das es funktioniert und Sicherheit gegeben hat. Wenn man nichts fühlen kann oder darf, ist es gut etwas tun zu können. Auch wenn es oft nur der Versuch ist, etwas nicht fühlen zu müssen.

In schwierigen Situation hält man mit Kontrolle durch, passt sich den Umständen an und fällt auch nicht negativ auf.

Die Rechnung scheint aufzugehen – zumindest eine Zeit lang.

4 | Erwartungen – die treibende Kraft im Hintergrund

Du suchst keine Sicherheit über Kontrolle, weil das dein Naturell ist oder du immer schon so warst.

Dahinter steht etwas sehr Leises aber unglaublich wirksames: Die Vorstellung davon, wie es sein sollte.

Wie ein glückliches Leben auszusehen hat.

  • Wie man sein sollte.
  • Wie man sich verhält und wie nicht.
  • Wie man in bestimmten Situationen reagieren sollte.

Also: Wie du sein solltest.

Das sind keine bewussten Gedanken. Eher unbewusste Reaktionsmuster, deren Samen vor sehr langer Zeit gesetzt wurden, die du nie infrage gestellt hast.

Warum? Weil man das nicht macht.

Also lautet die Devise: Stark bleiben. Weitermachen. Dranbleiben. Nicht aufgeben.

Eine Freundin von mir hat mal in einem Start-up gearbeitet und irgendwann kein Gehalt mehr bekommen. Der Kommentar ihrer Mutter: „Einfach weiterarbeiten.“

Am Ende ist das Unternehmen in Konkurs gegangen und meine Freundin hatte wochenlang unentgeltlich gearbeitet – aber wenigstens hatte sie tapfer durchgehalten.

Erwartungen – egal ob eigene oder übernommene – sind der Motor, der dich antreibt.

Je selbstverständlicher dir diese Maßstäbe vermittelt wurden, desto weniger hinterfragst du sie.

Du richtest dich danach aus, weil es am wenigsten Widerstand bedeutet.

Und so versuchst du ein Leben zu leben, von dem du glaubst, dass es richtig ist und dich glücklich machen müsste. Es fühlt sich innen nur nicht danach an.

Erwartungen sind der Ursprung, sowas wie der innere Zwang, der Kontrolle überhaupt erst notwendig macht.

5 | Der unsichtbare Preis der Kontrolle

Solange das System funktioniert, stellst du es nicht infrage.

Kontrolle gibt dir Struktur, hält dich stabil und sorgt dafür, dass du weitermachst.

Aber das hat einen Preis.

Nicht sofort.

Eher schleichend.

Du merkst es daran, dass es langsam immer anstrengender wird. Dass du zwar weitermachst, aber mit immer weniger Kraft als früher.

Dass du dich zusammenreißt – und es trotzdem nicht besser wird.

Und nein, das ist nicht das Alter. Es ist das Verhaltensmuster, das auf Dauer immer mehr Energie und Lebenskraft verschlingt.

Es ist, als würdest du dauerhaft unter Spannung stehen. Entspannung fällt deutlich schwerer. Noch schnell die Spülmaschine auszuräumen fühlt sich dann auf unerklärliche Weise beruhigender an, als einfach nur rumzusitzen.

Und egal, wie sehr du versuchst, da rauszukommen, durch mehr Konsequenz oder Effizienz – es bleibt ein schaler Nachgeschmack.

Du drehst dich im Kreis.

Was dir lange Sicherheit gegeben hat, raubt dir gleichzeitig Lebensenergie und hält dich damit fest.

Deine Fürsorge findet nach außen, für andere und in Form von Pflichterfüllung statt, nach innen fühlt es sich leer an.

Du bist nach außen stark und souverän – und innen unsicher.

Das ist der Punkt, an dem sich häufig das emotionale Essen oder andere Ersatzstrategien ihren Platz suchen. Sie sind eine Reaktion auf den inneren Druck, der Versuch die Leere zu füllen und manchmal auch die einzige Form der Selbstfürsorge, die du dir zugestehst.

Irgendwann erkennst du, dass du dich damit selbst festhältst. Du willst weiter, bleibst aber im Stillstand gefangen. Solange du gegen etwas ankämpft, das du nicht verstehst, kann es keinen Fortschritt geben.

Das ist die Klarheit, die du lange übergehen konntest. Aber du merkst, dass du so nicht weitermachen willst.

6 | Der Wendepunkt: Was Kontrolle loslassen notwendig macht

Die Lösung liegt nicht darin, es besser machen zu müssen – denn das Problem liegt ganz woanders. Jeder Versuch, weitere Punkte deiner To-do-Liste hinzuzufügen, um dich dadurch zu entspannen, geht nach hinten los.

Alles, was deinem Leben weitere Anforderungen und Aufgaben hinzufügt, ist am Ende eine neue Erwartung, die du erfüllen musst und die den Druck weiter erhöht.

Und genau daraus entstehen typische innere Konflikte. Ein Teil von dir spielt nach allen Regeln und der andere quengelt, weil du ihn ständig beiseite schiebst.

Sie melden sich immer deutlicher und wollen Beachtung. Anstatt ihnen zuzuhören, hältst du dagegen.

Weil du versuchst es richtigzumachen und glaubst, dass dieser Teil deine Nachlässigkeit, deine Faulheit und deine Undiszipliniertheit ist.

Alles Eigenschaften, die unerwünscht sind, wenn man es richtig machen will.

Das Funktionieren ist eine Schutzstrategie, die dich allerdings immer weiter von deinen eigentlichen Bedürfnissen wegführt.

Es gibt einen großen Unterschied zwischen „Ich halte das aus“ und „Ich fühle das.“

Kontrolle macht dich auf Dauer nicht stärker, sie verbraucht deine Kraft.

Der Punkt, an dem sich etwas verändert, ist genau der, an dem du beginnst ehrlich hinzuschauen.

7 | Was sich verändert, wenn du Kontrolle loslässt

Du hast geglaubt, du müsstest dein Leben kontrollieren – und dabei genau das verloren, was du eigentlich gesucht hast.

Das, worauf du dich immer verlassen konntest, trägt dich nicht mehr.

Wenn du es so betrachtest, hat alles seinen Sinn gehabt.

Das Zusammenreißen war deine Überlebensstrategie. Aber alles gleichermaßen im Griff zu behalten bringt dich immer wieder an denselben Punkt.

An dem bist du müde, überfordert, ausgelaugt und in deinem Alltag gefangen. Es ist das Ergebnis der Art, wie du bisher gelernt hast, mit dir umzugehen.

Und das hat lange funktioniert nur mittlerweile nicht mehr auf die gleiche Weise.

Mehr Kontrolle und Disziplin reiten dich nur noch mehr rein in diesen Kreislauf. Wenn du allerdings den Druck rausnimmst, gibst du dir die Möglichkeit überhaupt erst zu erkennen wie du etwas verändern kannst.

Wieder wahrzunehmen, was in dir passiert und was du brauchst, ohne es sofort bewerten und die Umsetzungschancen checken zu müssen. Einfach nur, um dir selbst wieder näherzukommen.

Das funktioniert nicht über den Kopf, sondern über das, was du spürst.

Im Alltag ist dafür oft wenig Raum.

Weil alles weiterläuft.
Weil du funktionierst.
Weil du gebraucht wirst.

Das lässt sich nicht im gleichen System erkennen und lösen, in dem es entstanden ist. Solange du dich durchgehend kontrollierst, wird sich nichts von dem verändern, was mit deinen Bedürfnissen und Gefühlen verknüpft ist.

Manchmal braucht es genau deshalb einen Rahmen, in dem nichts von dir erwartet wird.

Einen Abstand zum Gewohnten.

Und die Möglichkeit, dich selbst wieder zu hören, ohne reagieren zu müssen. Das bringt dich vom Verstehen zum Erleben.

Ein passendes Umfeld dafür, kann eine kleine Auszeit in Form eines verlängerten Wochenendes bieten. Sie ist ein sanfter Einstieg in einen anderen Umgang mit dir selbst. Hier kann etwas Neues beginnen – wenn du willst.

→ [Alle Informationen zur Auszeit am Meer.]

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Martina Aust
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