Machen wir uns nichts vor: Gefühle sitzen am Drücker. Ganz egal, was du dir in deinem Kopf vornimmst, dein Verhalten wird häufig viel mehr durch deine Emotionen als deine Absichten bestimmt. Deshalb ist es sinnvoll herauszufinden, wie du die Gefühle loslassen kannst, die dein Verhalten ungewollt beeinflussen.

Wir sind in erster Linie fühlende Wesen. Aufgrund unserer bisherigen Erfahrungen verhalten wir uns bewusst und unbewusst auf eine bestimmte Art und Weise.

Dieses konditionierte Verhalten verändern oder kontrollieren zu wollen, ohne sich die auslösenden Emotionen und Prägungen aus der Vergangenheit anzusehen, ist ein mehr als mühseliges Unterfangen.

Die unangenehmen und die schmerzhaften Gefühle gehören leider genauso zu unserem Leben dazu wie die schönen und positiven. 

Klar ist, welche uns willkommen sind und welche wir am liebsten für alle Zeiten verbannen würden. Ungünstigerweise ist es so, dass wir nicht vermeiden können, Erfahrungen zu machen, die auch unerwünschte Emotionen in uns aktivieren. 

Wenn wir sie lassen, kommen und gehen auch die schwierigen Emotionen.

Bei den positiven ist uns das sehr klar: Glück kommt in der Regel als Momentaufnahme, bleibt manchmal auch etwas länger, ist aber in der Regel kein Dauerzustand, den wir festhalten können.

Genauso ist es auch mit den negativen Emotionen, wenn wir sie wieder gehen lassen. Die Angst, dass sie für immer bleiben, trägt dazu bei, dass wir sie festhalten, anstatt sie wieder gehen zu lassen. 

Natürliche Körperreaktionen, mit denen wir Gefühle verarbeiten

Es ist eine Illusion zu glauben, dass wir weniger leiden, wenn wir schmerzhafte Gefühle gar nicht erst zulassen.

Das wahre Leiden beginnt in dem Moment, wo wir die Emotion unterdrücken und damit verhindern, dass sie wieder gehen kann.

Dabei hat unser System einige spezielle Funktionen direkt ab Werk eingebaut, mit denen wir unsere Emotionen loslassen können, indem wir sie über den Körper ausdrücken. Zu diesen ganz natürlichen Abläufen gehören z.B.

  • weinen 😢
  • zittern 😖 
  • schwitzen 🥵
  • erröten 😳

In unseren Teenagerjahren, als wir die ersten Erfahrungen damit gemacht haben, wie überwältigend Gefühle sein können, haben wir häufig noch alle diese Reaktionen gezeigt.

Allerdings haben wir diese damals nicht als hilfreich, sondern als zusätzliche Belastung empfunden. 

Irgendwann haben wir angefangen, unsere Gefühle zu unterdrücken, anstatt sie auf diese Weise auszudrücken. Was die Gründe dafür sind und woran man erkennt, dass man seine Gefühle unterdrückt, kannst du hier nachlesen:

Gefühle unterdrücken: Wie du die Glaubenssätze dahinter veränderst.

Durch das innere Training darauf, diese körperlichen Reaktionen zu vermeiden, konditionieren wir uns gleichzeitig darauf, Emotionen festzuhalten und dadurch Schmerz zu erzeugen.

Emotionen kontrollieren ist nicht die Lösung.

Grundsätzlich ist es natürlich von Vorteil, wenn man in herausfordernden Situationen erst mal einen klaren Kopf behält.

Auch den Verstand einzuschalten, bevor man zurückschlägt, wenn einen jemand vermeintlich verletzt hat, kommt allen Beteiligten zugute. 😉

Sehr kurzfristig kann Kontrolle also hilfreich sein, um eine Kurzschlussreaktion zu verhindern, die man später vielleicht bereut.

Auf längere Sicht bringt sie allerdings kaum Vorteile mit sich. Sie führt dazu, dass man die in der Ausnahmesituation entstandene Energie dauerhaft bei sich behält.

Wenn man seine Emotionen kontrolliert, ohne sich die Ursachen und Muster dahinter anzusehen, ist zumindest für die Zukunft nichts gewonnen.

Im Gegenteil: Man verstärkt die Reaktion beim nächsten Mal sogar noch.

Sich seiner Emotionen bewusst zu werden und die unabsichtlich gespeicherten Gefühle loszulassen, ist also nicht nur in einer akuten Situation hilfreich. Es wird auch dazu führen, dass du in der nächsten schwierigen Situation umso besonnener reagieren kannst. Du bist dann den dazugehörigen Auslösern gegenüber weniger empfindlich.

Kontrolle ist nicht Transformation. Eine Energie zu kontrollieren, die bereits in dir ist, bedeutet inneren Kampf.

Dieser Kampf wird nicht leichter, je länger er andauert, sondern schwerer.

Hinzu kommt, dass du im Alltag auch Situationen erlebst und Menschen anziehst, die auf diese unter der Oberfläche versteckte Energie reagieren.

Das führt zu immer wieder ähnlichen Erfahrungen. Diesen Kreislauf kann man durchbrechen, wenn man das Muster erkennen und die damit verbundenen Gefühle loslassen kann.

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Gefühle loslassen auf unterschiedlichen Ebenen

Am einfachsten ist das Loslassen in der Regel auf der Verstandesebene. 

Wir treffen aufgrund unserer Erfahrungen neue Entscheidungen oder entfernen uns aus einer ungesunden Situation.

Das gelingt mal besser und mal schlechter. Aber selbst wenn es gelungen ist, ist da oft trotzdem noch die Befürchtung, dass sich bestimmte Situationen wiederholen könnten. Oder alte Ängste kommen scheinbar aus dem Nichts immer wieder hoch.

Wenn du beispielsweise vor Jahren deinen Job verloren hast, ist der erste Schritt wahrscheinlich, dass du nicht mehr ständig daran denkst. Dieses Loslassen kann schon allein aus dem Grund eintreten, dass du eine neue, vielleicht sogar bessere Arbeit gefunden hast. 

Trotzdem kann es passieren, dass die Angst in bestimmten Situationen wieder hochkommt, wenn du etwas erlebst, dass dich an das alte Umfeld erinnert und das alte Gefühl wieder anspringen lässt. 

Das heißt neben der reinen Erinnerung, ist möglicherweise zusätzlich das Loslassen der im Körper gespeicherten Angst, die Wiederherstellung deines Sicherheitsgefühls und die Reparatur deines Selbstwerts notwendig. 

Wenn du zusätzlich rückblickend auch noch einen Sinn in der gesamten Situation erkennen kannst und sie als positiven Entwicklungsschritt deiner Seele begreifst, ist auch dein Urvertrauen ins Leben wieder hergestellt. 

Dann hast du die Situation auf allen Ebenen verarbeitet, losgelassen und kannst den nächsten Herausforderungen in deinem Leben wahrscheinlich mit mehr Zuversicht begegnen. 

4 Schritte, mit denen du deine Gefühle loslassen kannst.

1 | Regelmäßiger innerer Check

Genauso wie wir unseren Körper oder unser Auto regelmäßig durchchecken lassen, um nicht im ungünstigsten Fall eine Überraschung zu erleben, können wir uns auch selbst emotional durchchecken.

Stell dir vor, du triffst morgen eine sehr gute Freundin mit der du offen über alle deine Herausforderungen sprechen kannst, ohne dass sie dich jemals verurteilt.

Was wirst du ihr erzählen, wenn sie dich aufrichtig fragt, wie es dir geht?

Wie sehr unterscheidet sich das von deiner Antwort auf eine kurz gestellte Frage von einer x-beliebigen anderen Person?

Oft ist der Unterschied zwischen diesen beiden Antworten genau der Teil, den wir unbewusst verdrängen.

Mach also einen regelmäßigen Check und frage dich selbst mitfühlend, wie es dir geht. 

2 | Gefühle annehmen und akzeptieren

Gefühle zu haben, gilt häufig als Schwäche. Vor allem im beruflichen Umfeld, um bei dem Beispiel zu bleiben.  

Wir haben alle Emotionen und sie beeinflussen unser Verhalten und unsere Einstellung je nach Lebensbereich mehr oder weniger stark.

Die Frage ist nur, ob sie es bewusst oder unbewusst tun.

Nimm jedes Gefühl in dir zunächst einmal wahr und auch ernst. Beobachte es, ohne es zu bewerten oder wegschieben zu wollen.

Bewertung führt meist sehr schnell zu Schuld- oder Schamgefühlen, die dann das Verdrängen beschleunigen.

Gefühle, für die wir uns Zeit nehmen und die gefühlt werden, setzen sich in der Regel erst gar nicht so tief fest und können auch schneller unser System wieder verlassen. 

3 |  Gefühle zeigen und über den Körper loslassen

Wenn sich bei dir die oben genannten körperlichen Reaktionen zeigen, dann lasse sie zu.

Nimm dir Zeit dafür und sieh es als das natürliche Programm deines Systems an, schwierige Emotionen zu verarbeiten. 

Zeigt dir dein Körper diese Reaktionen nicht, kannst du ihn trotzdem nutzen, um gespeicherte Gefühle loslassen zu können.

Vielleicht hast du schon mal davon gehört, dass unser Gehirn meist nicht unterscheiden kann, ob wir etwas tatsächlich erleben oder es uns nur vorstellen. Diesen Effekt kannst du auch beim Loslassen deiner Emotionen nutzen.

Du kannst die Körperreaktionen selbst nachträglich erzeugen. Ok, schwitzen und erröten sind gewollt und spontan eher schwer hervorzurufen. 😉

Aber eine Bewegung, die dem Zittern sehr ähnlich ist, kannst du beispielsweise erzeugen, indem du dich hinstellst und deinen Körper schüttelst.

Wenn dir das als Trockenübung komisch vorkommst, kannst du auch zu Musik wird herumzappeln.

Denke zu Beginn dabei an das, was du abschütteln willst und spüre in dich hinein, was sich dadurch mit der Zeit verändert. 

4 |  Gefühle ausdrücken

Behalte deine Gefühle nicht für dich, stehe dazu, dass du sie hast und nimm sie ernst.

Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass andere mich in den Bereichen eher ernst nehmen, in denen ich mich auch selbst ernst nehme.

Das praktiziere ich natürlich nicht in jedem Umfeld, aber es ist in viel mehr Bereichen machbar, als man vielleicht denkt. 

Gefühle zu haben oder sie in Worten auszudrücken ist keine Schwäche. Solange man die Verantwortung für die eigenen Gefühle nicht versucht an andere abzugeben oder sie dadurch zu beeinflussen, ist es sogar ein Zeichen von Stärke, diese Verletzlichkeit zulassen zu können.  

Es ist kein Fehler Gefühle zu haben, aber es liegt in deiner Verantwortung dich um dich selbst zu kümmern oder dir Hilfe zu holen. 

Du kannst auch das Schreiben nutzen, um dir bewusst zu werden, was du innerlich fühlst.

Indem du deine Gefühle beschreibst und versuchst Worte dafür zu finden, wirst du dir deiner Situation bewusster, als wenn du nur darüber nachdenkst.

Häufig hat das Schreiben eine erleichternde Wirkung oder man bekommt sogar wertvolle Hinweise seiner inneren Führung, wie man am besten mit der jeweiligen Situation umgehen kann.

Wenn du das Schreiben gerne ausprobieren möchtest, findest du hier ein paar weitere Ideen dazu: Intuitives Schreiben: 6 Journaling Ideen, um deine Emotionen zu verarbeiten.

Achte darauf, genügend Ruhephasen und Rückzugmomente in deinem Leben zuzulassen, um dich mit deiner inneren Welt auseinandersetzen zu können.

Je bewusster du dir darüber bist, wie es in dir aussieht und was du brauchst, um dich wohl zu fühlen, desto besser kannst du deine Gefühle verarbeiten und auch wieder loslassen. 

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Martina Aust
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