Warum die Bewertung von Lebensmitteln mit „gut“ und „schlecht“ eine Sackgasse ist.

Als Kinder haben wir für unser Leben gerne Nudeln, am besten mit Tomatensoße, oder Nudelauflauf gegessen. Das war das Allergrößte. Irgendwann als wir älter wurden, gingen wir mit unseren Freunden zum Italiener an der Ecke und bestellten Pasta.
Wenn man heutzutage mit Freunden essen geht und alle die Karte studieren, hört man öfter mal den ein oder anderen laut denken.
Dann geht es um die Bewertung von Lebensmitteln. Dann geht es darum, dass man schon gerne die Nudeln bestellen würde aber die ganzen „bösen“ Kohlenhydrate seinem Körper nicht zumuten kann. Und abends geht das ja schon mal gar nicht.
Der Wegweiser raus aus deinen Essmustern

Es gibt gute und schlechte Fette und das gleiche noch bei den Kohlenhydraten, mal abgesehen von den Lebensmitteln, die gleich komplett verteufelt werden, ohne dass über die Inhaltsstoffe diskutiert werden muss. Doch was macht es eigentlich mit uns, wenn wir eine Bewertung von Lebensmitteln vornehmen? Versteh mich nicht falsch, natürlich ist es besser einen Apfel zu essen anstatt eine Tafel Schokolade. Gar keine Frage.

Wenn du das freiwillig so entscheidest, weil du es möchtest - auch völlig o.k.

Aber welche Gefühle löst es in dir aus, wenn du bestimmte Produkte gar nicht mehr essen darfst, weil sie ungesund, verboten oder gar „böse“ sind?

Warum die Bewertung von Lebensmitteln in gut und schlecht eine Sackgasse ist

Der natürliche und intuitive Umgang mit Lebensmitteln geht dabei immer mehr verloren.

Wir wissen mittlerweile so viel über Ernährung, dass es immer schwieriger wird das Richtige zu tun, um sich nach aktuellem Stand gesund zu ernähren. Und gefühlt kommt jeden Tag eine Erkenntnis und damit auch neue Regel hinzu.

Das führt dazu, dass wir immer mehr verunsichert werden und unser Essverhalten verkopfter und zwanghafter wird. Der entspannte Umgang mit Essen und die Wahrnehmung unserer natürlichen Körpersignale bleibt dabei auf Dauer auf der Strecke. Irgendwann beginnt ein Teufelskreis aus der Bewertung von Lebensmitteln, Verboten, schlechtem Gewissen, Verdrängung und immer zwanghafteren Gelüsten.

Wer bei einer Heißhungerattacke schon mal in der Stimmung „ach jetzt ist es auch schon egal“ war, weiß wie sich das anfühlt.

Neulich habe ich auf einer Geburtstagsfeier ein kleines Kind beobachtet, dass sich unbemerkt am Buffet zu schaffen machen konnte. Es hat von ganz alleine instinktiv zu Früchten, frischem Gemüse und Eiern gegriffen. Schokoladenkuchen und Muffins hat es zwar auch näher untersucht und geprüft aber dann doch für nicht brauchbar befunden. Da konnte man deutlich sehen, dass es noch rein intuitiv gegessen hat. Das Essverhalten war völlig unbelastet von der Bewertung von Lebensmitteln und unbewussten Verknüpfungen. Wenn später dann gutgemeinte elterliche Regeln wie: „du isst erst das gesunde Brot, dann darfst du auch was von dem ungesunden essen“ eingeführt werden, kann sich das schnell ändern. Die Begehrlichkeit und die Vorlieben verschieben sich. Die erlaubten Produkte werden uninteressant und können irgendwann völlig abgelehnt werden.

Viele heute Erwachsene haben genau aus dem Grund ein Problem mit Spinat, Rote Beete oder ähnlichen Produkten, die sie als Kind essen mussten weil sie ja so gesund waren.


1. Verbotene Früchte schmecken am süßesten.

Je mehr Aufmerksamkeit ich durch das Verbot auf das Produkt lenke, desto mehr Energie gebe ich hinein und umso wertvoller und erstrebenswerter wird es aus Sicht des Unterbewusstseins. Es kann sein, dass es dann sehr laut in dir wird und deine Emotionen sich früher oder später einfach holen was ihnen so lange vorenthalten wurde. Da kann selbst der strenge innere Kontrolleur dann nur noch machtlos zusehen.


2. Was macht es mit dir, wenn du „böse“ Nahrung zu dir nimmst?

Trotz aller strengen Regeln wirst Du früher oder später mal schwach werden. Dann klopft das schlechte Gewissen an. Deine Schuldgefühle führen dazu, dass du das Gefühl bekommst nicht gut (genug) zu sein, weil du es nicht geschafft hast. Also musst du besser werden und etwas in dir unterdrücken, um das zu schaffen. Damit verrätst du deine Gefühle. Du betrachtest und bewertest dich von außen anstatt nach innen zu gehen. So ignorierst du, was du wirklich brauchst.


3. Die Bewertung von Lebensmitteln schafft neue Essmuster.

Durch die Bewertung von Lebensmitteln entsteht unweigerlich ein Kreislauf aus Verboten, vermeintlicher Schwäche, Versagen, Sünde und Schuld. Denn kaum jemand kann diese Regeln durchgängig befolgen. Und nicht befolgte Verbote führen fast zwangsläufig zu (Selbst-)Bestrafung und Selbstablehnung. Mit diesen unbewussten Verknüpfungen zum Essen erreichst du langfristig das Gegenteil von dem, was du dir eigentlich wünschst.

Achte auch darauf, wie du über Essen sprichst. Redest du oft davon, dass du mal wieder „gesündigt“ hast? Aus Sünden entstehen Schuldgefühle. Wenn du die nicht spüren willst, führt das zu noch mehr emotionalem Essen. Du isst dann, damit du diese unangenehmen Gefühle mit Essen herunterschlucken kannst.

Irgendwann hast du Schuldgefühle wegen deiner Schuldgefühle und dann fängt es an wirklich verrückt zu werden.

Du entfernst dich automatisch immer weiter von einem natürlichen, zwanglosen Essen. Alles dreht sich nur noch ums kontrollierte Essen und die Vermeidung unerwünschter Gefühle.

Was ist die Alternative?

Fang an wieder auf deinen Körper zu hören. Was schmeckt dir und was nicht? Verbiete dir nichts rigoros aber iss auch nichts nur weil es als gesund gilt. Sei authentisch und versuche nicht „gut“ zu sein, indem du nur „gutes“ Essen für dich zulässt. Gehe nach innen und spüre in die Emotionen hinein, die zu deinem Heißhunger führen. Welches Gefühl versuchst du zu vermeiden? Welches willst du mit Hilfe von Essen herstellen?


Dein Wille allein ist niemals stark genug deine Gefühle langfristig zu bezwingen.


Es ist völlig in Ordnung etwas nicht essen zu wollen aber es ist ein Denkfehler vieles nicht essen zu dürfen. Versuche wieder wie ein Kind ans Essen heran zu gehen und intuitiv zu dem zu greifen, was sich für deinen Körper am besten anfühlt. Dann verändert sich mit der Zeit auch dein Appetit auf einzelne Produkte.

Alles ist erlaubt!

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