Dein Essverhalten zu verändern ist mehr, als nur deine Ernährung umzustellen oder einen neuen Ernährungsplan zu verfolgen.

Das sind eher alternative Verhaltensweisen, die du dir für einen überschaubaren Zeitraum überstülpst, die aber nicht unbedingt im Einklang mit deinem inneren Empfinden sind.

Wenn du dein Essverhalten ändern willst, geht es vielmehr darum, welche inneren und äußeren Impulse dich dazu bringen zu essen.

Es geht darum, welches Verhältnis du zu Essen hast.

Es geht auch um die Rolle, die es in deinem Leben spielt und wie du sie verändern möchtest.

Das ist ein Prozess, der länger als ein paar kontrollierte Wochen dauert und nicht mit einer Ernährungsumstellung abgeschlossen ist.

Und genau hier ist eine Unterscheidung wichtig, obwohl die Begriffe häufig gleichbedeutend verstanden werden.

Gesunde Ernährung ist nicht automatisch ein gesundes Essverhalten.

Du kannst dich sehr gesund ernähren und trotzdem ein ungesundes Essverhalten haben.

Dann isst du vielleicht viel Gemüse, achtest auf Protein, vermeidest Zucker und hältst dich an bestimmte Regeln.

Aber innerlich läuft ständig eine Bewertung mit.

War das jetzt gut?
War das zu viel?
Darf ich das essen?
Muss ich das später ausgleichen?
Warum habe ich das schon wieder gemacht?

Dann dreht sich zwar alles um gesunde Ernährung, aber dein Essverhalten fühlt sich nicht frei, ruhig oder gesund an.

Du isst vielleicht „richtig“ - aber du bist nicht entspannt.

Die Gedanken in deinem Kopf, die sich ständig um die optimale Ernährung drehen, nennt man auch Food Noise und sie sind ein Symptom dafür, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Du folgst einem Plan - aber du vertraust dir selbst nicht mehr.

Und genau deshalb reicht es nicht, nur die Ernährung zu verändern, wenn du dir eigentlich ein entspanntes Essverhalten wünschst.

Wie fange ich an? Was du loslassen und was du verändern kannst

1 | Kurz zurückschauen, loslassen und dann neu anfangen.

Was hast du schon alles versucht, um dein Gewicht zu verändern, deine Ernährung zu verbessern oder endlich ein normales Essverhalten zu entwickeln?

Ich vermute mal, eine ganze Menge.

Wahrscheinlich mit eher mäßigem Erfolg, sonst würdest du das hier erst gar nicht lesen. 😉

Damit gehörst du auch nicht zu einer kleinen Minderheit, die es nicht auf die Reihe bekommen hat, sondern zur Mehrheit der Menschen, die eine klassische Diätkarriere durchlaufen haben.

Der Punkt dabei ist:

Diese vergeblichen Versuche, zusammen mit den verheißungsvollen Botschaften, wie schnell und leicht man seine Ernährung, sein Gewicht oder sein Essverhalten verändern kann, wenn man es nur wirklich will, haben vermutlich etwas mit dir gemacht.

Sie haben dich zumindest nicht kaltgelassen.

Welche Gefühle hast du in Bezug auf diese früheren Anläufe?

Wenn du sagst: Schwamm drüber, kann passieren, geht anderen nicht anders, dann ist alles im Lot und du kannst entspannt zum nächsten Punkt übergehen.

Wenn du aber eher das Gefühl hast, versagt zu haben, dich für undiszipliniert oder zu schwach hältst, dann schau dir das genauer an.

Denn das Versagen früherer Ansätze hat nichts mit dir als Person zu tun.

Es kann aber trotzdem dazu geführt haben, dass du deinem Körper weniger vertraust, Essen stärker bewertest und jede neue Veränderung schon mit der Angst beginnst, wieder zu scheitern.

Dann entsteht eine Lücke zwischen:

„Wie will ich sein?“

und

„Wie glaube ich zu sein?“

Und diese Lücke macht auf Dauer unglücklich.

Essverhalten ändern ohne Verzicht - Wie du anfängst und auch durchhältst.

Essverhalten ändern: Merke dir die Tipps auf Pinterest.

Sie führt auch dazu, dass du neue, hinderliche Glaubenssätze erschaffst wie:

„Etwas stimmt nicht mit mir, weil ich es nicht schaffe.“
oder
„Ich kann mich nicht verändern, ich schaffe das einfach nicht.“

Mach dir diese Gefühle bewusst.

Erkenne, dass sie nichts mit dir als Person zu tun haben.

Und lass sie los.

Das heißt nicht, dass dir frühere Erfahrungen egal sind. Sondern nur, dass du sie nicht unbewusst weiter mitschleppen musst.

Damit schaffst du die Voraussetzung, einen neuen Weg einzuschlagen.

Einen, der mehr auf Selbstfürsorge, innere Ehrlichkeit und Nachhaltigkeit aufbaut statt auf Selbstdisziplin, Kontrolle und kurzfristige Erfolge.

2 | Diätmentalität aufgeben

Kontrolle und Verbote führen auf Dauer zu Heißhunger auf genau die Produkte, die du so vehement zu vermeiden versuchst.

Je länger du dich beim Essen schon kontrollierst und strenge Regeln einhältst, desto stärker wird die Gegenreaktion deines inneren Überlebensprogramms mit der Zeit.

Du merkst es daran, dass du dir nur in Gedanken vornehmen musst, deine Ernährung zu verändern, und schon wirst du von Essgelüsten überrollt, als ob irgendwo jemand den Notstand ausgerufen hätte.

Diese Überempfindlichkeit kannst du nicht in einem Anlauf, indem du einen Schalter im Kopf umlegst, wieder rückgängig machen.

Du hast dich selbst jahrelang so konditioniert.

Diesen Automatismus wieder umzukehren, dauert seine Zeit.

Dazu kommt die Angst, dass es einfach keine Alternative zu klassischen Ernährungsansätzen und Selbstkontrolle gibt.

Und selbst wenn du schon lange keine klassische Diät mehr machst, kann die Diätmentalität trotzdem noch weiterlaufen.

Sie klingt heute vielleicht nur anders.

Nicht mehr:

Ich darf keine Kohlenhydrate essen.

Sondern:

Ich will mich doch nur gesund ernähren.
Ich sollte Zucker vermeiden.
Ich müsste mehr Protein essen.
Ich sollte nicht so spät essen.
Ich muss wieder mehr auf meine Ernährung achten.

Das kann alles sinnvoll sein.

Aber sobald daraus Druck, Angst, ständige Selbstbewertung oder das Gefühl entsteht, Essen richtig machen zu müssen, bist du wieder in einem Kontrollsystem gelandet.

Dann hast du vielleicht die Diät selbst abgeschafft, aber nicht die innere Diätpolizei.

Dein Denken allein in diesem Punkt zu verändern, ist ein großer Schritt.

Das ist nichts, was in einer Silvesternacht passiert oder jemand in einem Gespräch oder Blogartikel für dich erledigen kann. 😉

Befrage deine innere Stimme, deine Intuition oder einfach dein ehrliches Gefühl, was sich für dich wirklich stimmig anfühlt.

Und gehe dann Schritt für Schritt vor.

Überfordere dich nicht, sondern suche den Weg, der für dich machbar ist und zu deinem Leben passt.

Nicht zu dem Leben, das die Einhaltung eines Ernährungsplans voraussetzt.

3 | Nicht sofort kontrollieren, sondern erst beobachten

Im Alltag sind wir oft so hektisch unterwegs, dass wir nur noch zwischendurch und in Eile essen.

Schnell was auf die Hand.

Im Auto.
Am Schreibtisch.
Beim Kochen.
Beim Aufräumen.
Beim Scrollen.

Irgendwann läuft das alles wie automatisch ab.

Du isst, aber du bekommst nicht mehr richtig mit, wie du isst, wie viel du isst und was eigentlich direkt davor passiert ist.

Wenn du dein Essverhalten ändern möchtest, ist es deshalb hilfreich, nicht sofort mit der nächsten Kontrolle anzufangen.

Nicht gleich der nächste Plan.
Nicht gleich die nächste Regel.
Nicht gleich wieder: Das darf ich, das darf ich nicht, das sollte ich, das müsste ich.

Fang erstmal damit an, zu beobachten.

Wann isst du?
Was geht dem Essen voraus?
Welche Stimmung bringst du mit?
Isst du, weil du Hunger hast?
Weil du erschöpft bist?
Weil der Tag endlich vorbei sein soll?
Weil du eine Pause brauchst?
Weil du kurz nichts fühlen möchtest?
Oder weil Essen in diesem Moment einfach der schnellste verfügbare Ausweg ist?

Wenn achtsames Essen für dich inzwischen nach noch einer Aufgabe klingt, die du richtig machen sollst, dann lass das Wort ruhig weg.

Du musst nicht jede Rosine meditativ betrachten.

Es reicht für den Anfang, langsamer zu essen und überhaupt wieder mitzubekommen, was passiert.

Dadurch verbesserst du dein Essverhalten schon ein großes Stück.

Du schmeckst nicht nur besser, was du isst, sondern gibst dir auch selbst die Möglichkeit, dein Sättigungsgefühl deutlicher wahrzunehmen.

Mit der Zeit kann das dazu führen, dass du schneller merkst, wann es genug ist.

Vor allem bekommst du aber eine Chance, Zusammenhänge zu erkennen.

Einen Gang oder besser mehrere Gänge runterzuschalten, gibt dir die Möglichkeit, nicht nur zu bemerken, was gerade passiert, sondern auch anders darauf zu reagieren.

Manchmal reduziert sich der Essdruck schon dadurch, dass du vor dem Essen eine Pause einlegst und die Gefühlswelle erstmal abebben lässt.

Nicht, weil du dich zusammenreißt.

Sondern weil du deinem System einen Moment gibst, bevor der alte Ablauf wieder automatisch startet.

4 | Zusammenhänge bewusst machen

Auch wenn es für dich im Endergebnis noch nicht spürbar ist: Es gibt einen großen Unterschied zwischen

„Ich habe halt immer Hunger“ oder
„Ich bin ein totaler Genussesser“

und

„Wenn ich traurig bin, greife ich zur Schokolade und wenn ich wütend bin, brauche ich Nüsse.“

Wo der liegt?

Vielleicht noch nicht in der Menge dessen, was die einzelnen Personen essen, aber in der Bewusstheit.

Jemand, der einen der beiden ersten Sätze sagt, bemerkt zwar seine Essimpulse, kann sie aber noch nicht seiner inneren Stimmung, seinen emotionalen Bedürfnissen oder wiederkehrenden Situationen zuordnen.

Wenn du deine Wut spürst und weißt, welchen Essimpuls sie auslöst, kannst du etwas verändern.

Du kannst dir ansehen, was dich wütend macht.

Du kannst prüfen, ob du mit diesen Situationen anders umgehen kannst, um gar nicht erst in dieselbe innere Anspannung zu geraten.

Gibt es hier ein Muster, das sich immer wiederholt, weil es eine ganz alte Wut in dir wieder aktiviert?
Geht es wirklich um die aktuelle Situation?
Oder ist sie nur der Auslöser für etwas, das schon länger in dir gespeichert ist?

Du musst das nicht sofort alles lösen.

Aber sobald du die Zusammenhänge erkennst, hört dein Essverhalten auf, so unerklärlich zu wirken.

Dann ist es nicht mehr einfach:

Ich habe schon wieder gegessen.

Sondern vielleicht:

Ich habe gegessen, weil ich mich übergangen gefühlt habe.
Ich habe gegessen, weil ich meine Grenze nicht gesetzt habe.
Ich habe gegessen, weil ich erschöpft war und schnell irgendetwas gebraucht habe, das sich nach Pause anfühlt.

Du kannst dir auch alternative Bewältigungsstrategien suchen.

Du kannst deine Wut erstmal abklingen lassen, bevor du die Packung öffnest.

Du kannst dich fragen, was du eigentlich gebraucht hättest.

Du kannst eine Pause machen, bevor du automatisch reagierst.

Allein schon dadurch, dass du nicht sofort reagierst, reduziert sich der Essdrang in vielen Situationen.

Wie halte ich durch?

1 | Vorsicht mit den Zielen

Das hast du jetzt wahrscheinlich so nicht erwartet.

Überall liest man genau das Gegenteil:

Du musst dir Ziele setzen.

Sie müssen spezifisch, messbar und mit konkreten Terminen versehen sein.

Echt, jetzt wirklich?

Ok, ich weiß, was damit gemeint ist.

Und in einem beruflichen Umfeld, wo es um die Umsetzung von Projekten - vor allem in Teams - geht, stimme ich dem auch zu.

Wenn es allerdings um die Veränderung deiner Essgewohnheiten geht, sehen Ziele ja oft so aus:

„Ich werde bis März 10 Kilo abnehmen.“

Wie fühlt sich das an?

Motiviert dich das?

Solche Ziele klingen nicht nur unrealistisch, sie sind häufig der schnellste Weg, um dich mit dir selbst, deinem Leben und deinem Körper schlecht zu fühlen.

Und das hat dann oft Auswirkungen, die eher kontraproduktiv sind.

Denn sobald dein Ziel dein aktuelles Ich abwertet, entsteht wieder Druck.

Dann arbeitest du nicht für dich, sondern gegen dich. Und gegen sich selbst hält man selten dauerhaft durch.

Mein Tipp dazu:

  • Übernimm dich nicht
  •  Mach es nicht zu groß
  • Nimm dir nicht zu viel auf einmal vor
  • Achte auf eine positive Motivation: nicht “weg von”, sondern “hin zu” etwas 
  • Setze Körpergefühl vor Körpergewicht
  •  Stelle den Frieden mit dir selbst und Essen in den Mittelpunkt

Das Problem mit den Zielen beim Essverhalten ist, dass sie in der Regel den Zustand, wie er aktuell ist, abwerten und verurteilen und dich durch die geplante Verhaltensänderung bestrafen.

Das ist keine gute Voraussetzung für einen langen Atem.

Ein gut gehütetes Geheimnis dabei ist auch folgendes:

Dein Ziel zu erreichen, wird dein Leben nicht automatisch verändern.

Das ist einer der Hauptgründe, warum es so schwer ist, langfristig durchzuhalten.

Weil das ungute Gefühl, dass du eben nicht allein dadurch glücklich wirst, dass du Gewicht verloren hast, sich irgendwann breit macht.

Zu 90 % hat das, was du dir tatsächlich wünschst, nichts mit deinem Gewicht zu tun.

Es ist aber etwas, von dem du glaubst, dass du es nur bekommst, wenn sich dein Gewicht verändert.

Finde heraus, was es für dich ist, und gehe erste Schritte in diese Richtung.

Das nimmt dir den Druck auf deiner Ernährung, reduziert deinen seelischen Hunger und lässt dich so leichter durchhalten.

Ein gutes Ziel für dein Essverhalten könnte deshalb eher sein:

Ich möchte wieder entspannt mit Essen umgehen.
Ich möchte weniger darüber nachdenken müssen.
Ich möchte Entscheidungen treffen, ohne mich danach zu bewerten.
Ich möchte Essen nicht mehr als tägliche Prüfung erleben.
Ich möchte mir selbst wieder mehr vertrauen.


Das klingt vielleicht weniger spektakulär als „10 Kilo bis März“.

Aber es verändert die Richtung.

Und genau darum geht es.

2 | Kleine Schritte machen

Also, wenn das Endziel nicht motiviert, sich eher unrealistisch anfühlt und mehr sabotiert als unterstützt, was dann?

Setze bei deinem Verhalten an, nicht bei der Zahl, die du auf der Waage gerne sehen würdest.

Definiere deine eigene Form von Erfolg.

Sind vier Wochen harte Selbstdisziplin ein Erfolg, wenn du danach erschöpft wieder in alte Verhaltensweisen zurückfällst?

Könnte es nicht mehr wert sein, wenn du dein Essverhalten in kleinen Schritten veränderst, die du wirklich in deinen Alltag integrieren kannst?

Schritte, die dich nicht unter Druck setzen.

Schritte, bei denen du nicht schon am zweiten Tag das Gefühl hast, gescheitert zu sein.

Schritte, die nicht wieder ein neues Regelwerk aus dir machen.

Definiere kleine Veränderungen, die in eine neue Richtung zeigen und im Einklang mit deinem eigenen Seelenfrieden sind.

Zum Beispiel:

„Heute beobachte ich, wann ich Essen bewerte.“
„Heute mache ich vor dem Essen eine kurze Pause.“
„Heute achte ich darauf, ob ich esse, weil ich Hunger habe oder weil ich innerlich Druck spüre.“
„Heute bemerke ich, ob ich gerade einer Regel folge oder einer echten Entscheidung.“

Erscheint dir das zu wenig?

Überlege, ob so eine dauerhafte Veränderung nicht mehr wert ist als ein kurzfristiger Erfolg, der sich schnell wieder zum Misserfolg dreht.

Denn dein Essverhalten ändert sich nicht unbedingt dadurch, dass du dich einmal extrem zusammenreißt.

Es ändert sich, wenn du immer wieder kleine Momente anders gestaltest.

Wenn du etwas früher bemerkst, was gerade passiert. Dich nicht dabei sofort verurteilst. Oder eine alte Regel hinterfragst.

Wenn du eine Pause zwischen Impuls und Handlung schiebst. Oder dir eine andere Antwort erlaubst als die, die bisher automatisch kam.

Große innere Reisen beginnen meist mit kleinen Schritten. 

3 | Fortschritt statt Perfektion

Konzentriere dich auf den Prozess, nicht das Ergebnis.

Egal wie du es angehst und was für dich persönlich der stimmigste Weg ist: Dauerhafte Veränderung ist immer ein Prozess.

Jahrelang praktizierte Gewohnheiten ändert man nicht von jetzt auf gleich.

Schon gar nicht, wenn deine Gefühle stark mit deinen Essgewohnheiten verknüpft sind.

Diese Verknüpfung hat ein Muster erzeugt, das sich immer wiederholt, wenn bestimmte Voraussetzungen vorliegen.

Wenn du emotionales Essen verändern willst, reicht es deshalb nicht immer, dir einfach ein neues Verhalten vorzunehmen.

Du musst verstehen, wann dein altes Verhalten für dein System Sinn ergibt.

Selbst wenn es einen Zauberstab gäbe, der dich mit einer einzigen Berührung von all deinen Essmustern befreien könnte — ich weiß, das wäre fast noch besser als ein Lottogewinn 😉 — bleibt danach immer noch dein selbst konditioniertes Verhalten.

Es wird auch nach der Lösung erster Muster im Rahmen eines Coachings noch manchmal Situationen geben, in denen du trotzdem zum altbekannten Pflaster greifst.

Nicht, weil du es so unbedingt brauchst wie früher. Eher weil du in dem Moment keine andere Antwort griffbereit hast.

Der Unterschied ist dann, dass du es bewusster tust und dir schneller klar wird, dass es dir keine Hilfe mehr ist.

Das bedeutet nicht, dass du keine Fortschritte machst.

Es bedeutet, dass es auch Tage gibt, an denen du mangels Alternative noch einmal einen Abstecher ins alte Verhalten machst.

Damit fängst du dann nicht wieder ganz von vorne an.

Du machst danach einfach an der Stelle weiter, wo du vor dem Abstecher schon warst.

Und manchmal ist genau dieser Abstecher aufschlussreicher als ein perfekt durchgezogener Tag.

Weil du danach sehen kannst:

Was war der Auslöser?
Was hätte ich in diesem Moment eigentlich gebraucht?
Welche Regel, welches Gefühl oder welcher Druck war beteiligt?
Worauf habe ich innerlich reagiert?

Dein Fortschritt zeigt sich also nicht nur daran, ob du anders isst.

Er zeigt sich auch daran, ob du schneller erkennst, was gerade passiert.

Ob du weniger hart mit dir wirst. Und nicht mehr jeden schwierigen Moment als Beweis gegen dich verwendest.

Und ob du nach einem alten Muster nicht mehr denkst: Jetzt ist sowieso alles egal.

Sondern: Aha. Da war es wieder.

Und jetzt gehe ich weiter.

Du willst bei diesen Punkten dranbleiben? 

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Steckst du fest, was deine Beziehung zu Essen angeht?

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4 | Erfolge bewusst machen - und feiern

Mach auch die allerkleinsten Erfolge sichtbar.

Was wäre das für dich?

Zerlege es in Minischritte, die dir machbar erscheinen, und setze den ersten sofort um.

Hilfreich ist es, dir regelmäßig Notizen zu machen, was sich verändert hat.

Nicht für die Kontrolle. Sondern um deine Erfolge nicht zu übersehen und dein Aufmerksamkeit auf das zu lenken, worauf du stolz sein kannst.

Das festigt dich auch für die Momente, in denen es nicht so optimal läuft.

Denn Veränderung passiert oft nicht mit Pauken und Trompeten.

Manchmal merkst du sie eher daran, dass du plötzlich eine halbe Stunde nicht an Essen gedacht hast.

Oder daran, dass du eine alte Regel bemerkt hast, bevor du ihr automatisch gefolgt bist.

Oder du hast etwas gegessen, ohne danach innerlich in die übliche Schleife zu verfallen.

Vielleicht hast du auch vor dem Kühlschrank kurz innegehalten und dich gefragt hast, was du eigentlich brauchst.

Das sind keine kleinen Nebensächlichkeiten.

Das ist dein Essverhalten, das sich verändert.

Erfolg ist nicht nur, weniger gegessen zu haben.

Erfolg kann auch sein:

Du hast Essen weniger bewertet.
Du hast dich nach dem Essen nicht fertiggemacht.
Du hast eine Entscheidung getroffen, ohne sie zehnmal zu überprüfen.
Du hast gemerkt, dass du gar keinen Hunger hattest, sondern Ruhe gebraucht hättest.
Du hast etwas gegessen, das früher „verboten“ war, dich danach nicht bewertet.
Du hast nach einem schwierigen Moment nicht gedacht: Jetzt ist sowieso alles egal.

Das ist gesundes Essverhalten.

Nicht perfekt.
Aber freier.

Und feiere deine Erfolge ausgiebig.

Eine Woche lang weniger Druck rund ums Essen? High five! ✋

Belohne dich dafür. Kauf dir vielleicht ein schönes Buch, eine Duftkerze oder einen leckeren Tee.

Variiere die Belohnungen und vergrößere die Abstände.

Drei Monate lang immer schneller erkannt, wann du aus Stress, Pflichtgefühl oder innerer Unruhe essen wolltest?

Großartig. Dann ist es Zeit für eine Massage oder eine andere ausgiebige Verwöhn-Behandlung.

Nicht, weil du etwas „geleistet“ hast. Vielmehr weil du dir selbst gezeigt hast, dass Veränderung möglich ist.

5 | Neue Rituale schaffen

Du kannst die besten Absichten haben, dein Alltag und deine Routinen mögen irgendwie keine neuen Abläufe.

Ehe du dich versiehst, bist du mit Essen fertig und hast das mit dem Beobachten, Innehalten oder Anders-Reagieren wieder irgendwie verschludert.

Dazu kommen noch deine gewohnten Trigger, wie:

Nachhause kommen ⇾ Jacke aus ⇾ Kühlschrank.

Oder:

Couch ⇾ Fernsehen ⇾ Chips.

Diese Abläufe sind nicht deshalb so stark, weil mit dir etwas nicht stimmt. Sie sind stark, weil du sie schon so oft wiederholt hast.

Dein System kennt sie. Und was dein System kennt, praktiziert es gerne weiter.

Überlege dir deshalb, wie du Erinnerungen in deinen Tagesablauf einbauen kannst, die dir helfen, dein neues Verhalten zu verankern und beizubehalten.

Nicht als Kontrolle oder Ermahnung.
Nicht als inneres „Jetzt reiß dich mal zusammen“.

Sondern als freundliches Signal:

Hier darf etwas anders laufen als sonst.

Ich nutze dazu beispielsweise mein Passwort am PC als liebevolle Erinnerung.

Wenn du jeden Tag mehrmals „Achtsam#2026“ eintippst - das ist nicht meins 😉 - sickert es so langsam in die tieferen Schichten deines Gedächtnisses und in dein Tagesbewusstsein.

Du kannst auch Post-its in der Küche anbringen, ein schönes Bild als Desktop-Hintergrund abspeichern oder ein Poster von innen an deine Wohnungstür hängen.

Wichtig ist nur, dass du dich gut dabei fühlst und nicht unangenehm gedrängt oder zurechtgewiesen.

Essverhalten ändern ohne Verzicht - Wie du anfängst und auch durchhältst.

Wenn du herausgefunden hast, wo dein abendliches Stressessen herkommt, hilft es dir vielleicht, ein neues Ritual einzuführen.

Du könntest ein paar Mal tief ausatmen und dir vorstellen, wie du den Stress des Tages wie einen schweren Mantel abstreifst, bevor du deine Wohnung betrittst.

Oder du setzt dich erst mal ruhig in einen Sessel, genießt eine Tasse Tee und kommst etwas runter, bevor du die Küche betrittst oder den Fernseher einschaltest.

Schaffe dir ein ganz eigenes Ritual und wiederhole es so oft, bis du merkst, dass es dir beim Gedanken an den Feierabend automatisch in den Sinn kommt.

Dann hast du den alten Ablauf nicht bekämpft.

Du hast ihn unterbrochen und durch etwas ersetzt, das dir besser tut.

Das ist wertvoll. Und es ist oft ein wichtiger erster Schritt.

Gleichzeitig ist es noch nicht unbedingt die Lösung des Musters, das dein Essverhalten im Hintergrund steuert.

Denn wenn Essen für dich eine Aufgabe übernommen hat - Trost, Belohnung, Entlastung, Pause, Schutz, Ablenkung oder das Wegdrücken unangenehmer Gefühle - dann reicht ein neues Ritual allein manchmal nicht aus.

Es kann dir helfen, nicht sofort automatisch zu reagieren.

Aber wenn du nachhaltig spürbar dein Essverhalten verändern willst, lohnt es sich, tiefer zu schauen:

Warum ist Essen an dieser Stelle überhaupt zuständig?
Welche innere Spannung wird dadurch reguliert?
Welches Bedürfnis wird immer wieder mit Essen beantwortet?

Und welches Muster läuft weiter, selbst wenn du rational längst weißt, was dir guttun würde?

Genau daran scheitert intuitives Essen aus meiner Sicht häufig.

Weil unter der Oberfläche noch alte Muster aktiv sind, die stärker sind als dein Vorsatz, auf deinen Körper zu hören.

Wenn du diesen größeren Zusammenhang verstehen möchtest, findest du auf meiner Grundlagen-Seite zum intuitiven Essen mehr dazu.

Dort erkläre ich auch, warum intuitives Essen oft nicht funktioniert, obwohl man es wirklich versucht - und wo du ansetzen kannst, wenn du nicht nur dein Verhalten kontrollieren, sondern das Muster dahinter verändern möchtest:

Dieser Artikel wurde zuerst am 24.01.2019 veröffentlich und im Juni 2026 zuletzt aktualisiert.

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Martina Aust
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    1. Liebe Katharina,

      vielen Dank für dein Feedback.
      Es freut mich, dass der Artikel hilfreich für dich war.

      Liebe Grüße
      Martina

    1. Liebe Rebecca-Elaine, schön, dass Du das so gespürt hast. Und ja, es geht nur so indem wir Nachsicht und Wohlwollen mit uns selbst zeigen. Liebe Grüße Martina

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