Ich schreibe ungern über Dinge, von denen ich keine Ahnung habe. Ein Buch zu lesen und dann danach einen Blogartikel über das Thema zu schreiben, ist nicht mein Ding. Ich möchte die Dinge selbst erfahren haben und wissen, dass die funktionieren. So ging es mir mit dem Waldbaden.

Vor einiger Zeit habe ich einen Artikel über die 5 Arten von Erholung, die wir regelmäßig brauchen, wenn wir uns häufig müde und erschöpft fühlen, geschrieben. 

Dabei hatte ich den Kontakt zur Natur als eine Form der spirituellen Erholung beschrieben. Indem man sich mit etwas verbindet, was größer ist als man selbst, weitet man seinen eigenen Raum aus und bekommt einen anderen Blick auf das Leben.

Waldbaden kann ein guter Einstieg dafür sein, wenn man nicht genau weiß, wie man es angehen soll.

Diese Methode gezielt Achtsamkeit in der Natur zu praktizieren ist in den letzten Jahren immer bekannter geworden. Man nutzt den Ausstieg aus dem Alltag, um den Geist zur Ruhe zu bringen und so gezielt Stress abzubauen. Dabei geht man nicht nur im Wald spazieren, sondern führt alle Sinne sehr achtsam immer wieder in den gegenwärtigen Moment. 

Dass ich immer häufiger mal davon gehört hatte und es damit alles andere als ein neuer Trend war, hieß zumindest bei mir noch lange nicht, dass ich es auch schon mal ernsthaft ausprobiert hätte.

Das ist wahrscheinlich ähnlich wie mit dem achtsamen Essen: Die meisten wissen, was es ist. Ausprobiert oder regelmäßig praktiziert haben es aber die wenigsten.

Braucht man für den Kontakt zur Natur jetzt schon eine Anleitung?

Nein, natürlich nicht.

Ich habe eine sehr große Linde im Garten, die etwas jünger ist als ich, aber trotzdem viel älter aussieht - und bei Bäumen ist das ja ausnahmsweise etwas Gutes. 😉

Sie ist von einer Baumbank aus Holz umgeben und hier sitze ich im Sommer tatsächlich gerne und lese, weil der Platz sich für mich sehr angenehm und kühler als die Umgebung anfühlt. Danach fühle ich mich immer irgendwie erfrischt. 

Bis vor ein paar Jahren hatte ich auch eine Wohnung direkt an einem angrenzenden Wald. Jahrelang habe ich die Vorzüge dieses Standorts nicht wirklich genutzt. Ich war wohl noch nicht so weit. 

Erst in der letzten Zeit an diesem Standort, bin ich abends direkt nach der Arbeit erst mal in den Wald gegangen, bevor ich dem Ruf der Couch nachgegeben habe.

Waldbaden - ein Weg durch den Wald

Diese Tipps zum Waldbaden auf Pinterest pinnen.

Der Unterschied war deutlich spürbar: Ein Großteil der Anspannung des Tages war nach diesem Abstecher in den Wald schon von mir abgefallen.

Wie man durch den Kontakt zur Natur Ruhe finden und Kraft tanken kann, war mir also bekannt.

Noch deutlich intensiver ist die Wirkung allerdings, wenn man diese Zeit auch intensiv und achtsam nutzt.

Beim Waldbaden geht es grob gesagt darum, in der Natur den Stress loszulassen, den wir im Alltag aufgebaut haben.

Allerdings nicht während wir Sport treiben, uns in Gedanken über den Chef ärgern oder den Einkaufszettel vorbereiten. 

Anspannung und Stress entsteht zu einem Großteil durch unbewusste und bewusste Emotionen, die wir nicht verarbeiten, sondern beiseite schieben und dadurch in unserem System abspeichern. 

Wenn wir eine Möglichkeit finden, diesen Druck regelmäßig loszulassen und uns zu reinigen, entlasten wir uns damit und finden mehr inneren Frieden.

Waldbaden Übungen und meine Erfahrung damit

Ich habe meinen Kurs ganz simpel bei der örtlichen Volkshochschule gefunden. Es war als Einzeltermin sehr erschwinglich, also ideal für einen kleinen Test und Selbstversuch.

Stattgefunden hat der Termin Anfang Juli. Wir sind in einer kleinen Gruppe morgens früh für ca. 2,5 Std. in den Wald gestartet. Falls es dich interessiert, was genau wir in der Zeit gemacht haben, hier der grobe Ablauf:
  • Zur Einstimmung: ein kleines Dankbarkeitsritual
  • Auf dem Weg: Achtsamkeitsübung im Gehen - Was sehe ich, dass nicht in den Wald gehört?
  • Vor dem Eintritt: Bau einer kleinen Schwelle aus Ästen, die wir bewusst übertreten haben
  • Bewusstes Abstreifen von Stress und Belastungen
  • Gemeinsame Übungen für alle Sinne: Was sehe ich? - Was höre ich? - Was rieche ich?
  • In die Stille gehen und eins werden mit dem Wald für einen längeren Zeitraum
  • Einen bestimmten Baum mit geschlossenen Augen erkennen
  • Zum Abschluss: neue Energie tanken auf einer Wildblumenwiese mit Übungen aus dem Qi Gong

Bäume 🌳 haben wir übrigens nicht umarmt, was nicht heißt, dass man das nicht tun kann, wenn man möchte. 

Vielleicht fragt man den Baum vorher, ob das ok ist. Wer will schon von irgendjemand Fremden einfach so umarmt werden? 👐😉

Was mir beim Waldbaden durch diese Übungen aufgefallen ist: 

Wenn man achtsam ist und sich bewusst auf das konzentriert, was man gerade tut, ist es, als ob die inneren Wahrnehmungsregler besonders aufgedreht werden. Man erlebt alles intensiver.

Geräusche - durch die Konzentration auf die eigenen Sinne und Ausblenden der Ablenkungen im Alltag, habe ich auch mit den Ohren viel sensibler wahrgenommen.

Das Knacken des Holzes unter meinen Füßen, das Rascheln des Laubes 🍂🍁 bei jedem Schritt - alles nichts, was ich noch nie gehört hätte, es hatte aber eine größere Intensität. 

Farben - eigentlich sollte man meinen, dass es im Wald nicht so viele unterschiedliche Farben gibt, also grün und braun in erster Linie.

Mir sind allerdings noch nie so viele Grüntöne aufgefallen - 🌳🌲🍃 "50 Shades of green" sozusagen.

Diese optischen Eindrücke waren so intensiv, dass ich mit der Aufmerksamkeit einfach dahin gehen musste und ich förmlich spüren konnte, wie sich durch diese Konzentration meine Nerven entspannen konnten.😌

Vögel - Es ist nicht so, dass ich in der Großstadt leben würden. Ich höre jeden Tag Vögel und kann grob auch auseinanderhalten, wer da gerade Töne von sich gibt.

Na ja, also sowas wie Taube🕊️, Elster, Fasan, Eichelhäher, Krähe.

Die Singvögel 🐦 klangen für mich im natürlichen Wald allerdings komplett anders als zu Hause im Garten. Viel fröhlicher und ausgelassener, sie singen geradezu ganze Lieder, während sie im Garten nur kurze Laute oder Sequenzen von sich geben.

Insgesamt ist das eine sehr intensive Erfahrung, für alle Sinne. Für mich persönlich intensiver, als wenn ich alleine einen Waldspaziergang gemacht hätte oder mich im eigenen Garten unter die Linde gesetzt hätte.

Man wird durch die Stimulation aller Sinne dazu gezwungen aus dem gedanklichen Chaos des Alltags auszubrechen, denn das Gehirn kann während dieser Eindrücke nicht gleichzeitig auf der gewohnten Bullshit Frequenz funken.

Der Körper regiert auf diese mentale Umprogrammierung mit Entspannung und Loslassen von innerem Druck.

Du willst mal einen ganz kurzen Eindruck davon bekommen?

Schau mal in dieses Video rein. Es ist keine 2 Min. lang, also ein echter Kurztrip in den Wald.

Wenn du kannst, nimm dir eine kleine Auszeit und benutze Kopfhörer. Beobachte, wie dein Körper auf diese Eindrücke reagiert.

Verändert sich dein Atem oder dein Herzschlag?

Wenn du eine Veränderung bemerkst, wirst du wahrscheinlich auch beim tatsächlichen Waldbaden eine entsprechend stärkere Wirkung spüren.

Waldbaden: Definition und nachgewiesene Wirkung

In diesem Video spreche ich mit der Wildnispädagogin Anne Binnebößel über die ursprüngliche Herkunft und die Wirkung von Waldbaden.

Sie erklärt, wo dieser nicht mehr ganz so neue Trend herkommt, auf welche 4 Arten uns der Wald positiv beeinflussen kann und wie man diese Wirkung auch wissenschaftlich erklären kann.

Wie du die Energie des Waldbadens für dich nutzen kannst

Den Kontakt zur Natur kannst du natürlich auch ohne angeleitete Waldbaden Übungen für dich nutzen.

Alle Anlässe, bei denen du erst einmal zur Ruhe kommen, dich neu sortieren oder einfach Abstand zu deinem Alltag brauchst, bieten sich für einen Gang in den Wald an.

Probiere einen Abstecher in die Natur aus, um etwas Neues auszuprobieren oder deine gewohnten Rituale noch intensiver und achtsamer zu praktizieren.

  • Aus dem Gedankenkarussell aussteigen und zur Ruhe kommen
  • Eine Entscheidung treffen - Klarheit in die eigenen Gedanken bekommen
  • Tagebuch schreiben / intuitives Schreiben
  • Einen Neuanfang einleiten - alte Energien loslassen, neue tanken
  • Eine kreative Blockade überwinden und die Fantasie in den Fluss bringen
  • Eine Dankbarkeitsliste starten
  • Ein Vergebungsritual praktizieren
  • Eigene Bedürfnisse (wieder-) erkennen
  • Deinem Krafttier begegnen
  • Eine Geh-Meditation machen

Jedes Zur-Ruhe-Kommen und bei sich selbst einchecken, ist gleichzeitig auch ein Krafttanken und eine Rückverbindung mit den eigenen seelischen Bedürfnissen.

Wie du diese Zeit für dich nutzt, bleibt deiner eigenen Vorstellung und Fantasie überlassen.

Ich habe früher schon mal einen Stein im Wald vergraben, um damit symbolisch ein Thema für mich abzuschließen.

Jetzt, wo ich darüber nachdenke, weiß ich schon gar nicht mehr im Detail, wie ich es gemacht habe. Ich sehe das als Beweis dafür, dass es funktioniert hat.😉

Anne Binnebößel

ist nicht nur Diplom-Pädagogin, Umweltbildungsreferentin und Wildnispädagogin, sie ist auch Schokoladenvernichterin und Power-Napping-Verfechterin. Das hat sie natürlich ganz besonders für einen Beitrag auf diesem Blog qualifiziert.

Du findest ihre Arbeit und ihre Waldbaden-Kurse in NRW unter: www.wildsaat.de

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Martina Aust
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